Einst mächtigsten deutschen Betriebsrat
Der tiefe Fall des Klaus Volkert

Einst war Klaus Volkert der mächtigste deutsche Betriebsrat bei VW. Ohne ihn lief früher fast nichts beim größten europäischen Autobauer. Innerhalb von 17 Monaten änderte sich aber alles, denn nun sitzt Volkert hinter Gittern.

HB BRAUNSCHWEIG. Als erster der Beschuldigten in der VW-Affäre um Korruption und Lustreisen auf Firmenkosten ist der frühere, mächtige Betriebsratschef am Dienstag verhaftet worden. Der Verdacht: Volkert soll versucht haben, die Aufklärung der Affäre "um jeden Preis" zu verhindern und einen Mitbeschuldigten, den früheren VW-Personalmanager Klaus Gebauer, -Joachim quasi zu kaufen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft Braunschweig besteht daher Verdunkelungsgefahr. Volkerts Anwalt wies die Anschuldigungen Gebauers zurück - seinen 64. Geburtstag in wenigen Tagen aber dürfte Volkert in einer Zelle verbringen.

Der frühere Konzernbetriebsratschef von Volkswagen ist tief gefallen. 15 Jahre lang stand er an der Spitze des Gremiums und war maßgeblich beteiligt an wichtigen tarifpolitischen Abschlüssen bei Volkswagen - etwa an der Einführung der Vier-Tage-Woche 1993, mit der Massenentlassungen vermieden wurden. Volkert war neben dem früheren Arbeitsdirektor Peter Hartz - gegen den die Staatsanwaltschaft in der VW-Affäre vor kurzem Anklage erhoben hat - die wichtigste Person im "System Volkswagen", dem engen Zusammenhalt von Betriebsrat, Gewerkschaft und Vorstand mit dem Hauptziel, Jobs zu erhalten.

Sommer 2005 Rücktritt erklärt

Auf einer Betriebsversammlung im Sommer 2005 erklärte Volkert einer verdutzten Belegschaft seinen Rücktritt - danach kam die VW - Affäre ins Rollen. Die Staatsanwaltschaft nahm gegen Volkert Ermittlungen wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Untreue auf. Volkert stand neben Hartz im Mittelpunkt einer "Sex and Crime"- Wirtschaftsgeschichte, die nicht nur den Boulevard monatelang beschäftigte - mit immer neuen pikanten Details. Danach soll Volkert mit seiner brasilianischen Geliebten auf VW - Kosten in Saus und Braus gelebt haben. Gebauer soll zahlreiche Sexpartys organisiert haben. Der Verdacht: Volkert und andere Betriebsräte sollten mit dem Bonusprogramm auf Unternehmenslinie gehalten oder gebracht werden.

Zudem wollte Betriebsratschef Volkert, der auch an Tarnfirmen zu Ungunsten von VW beteiligt gewesen sein soll, wohl auf Augenhöhe mit Top-Manager stehen und sein vergleichsweise karges Gehalt aufpolieren. Laut Anklageschrift gegen Hartz soll Volkert alleine von 1994 bis 2005 von dem damaligen Arbeitsdirektor neben seinem Gehalt so genannte "Sonderbonuszahlungen" von insgesamt fast zwei Mill. Euro erhalten haben, ohne dass dies bei VW offengelegt worden sei. Auch Volkerts Geliebter habe Hartz hohe Summen ohne Gegenleistung zugeschanzt.

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