„Einstandsbonus“ von fast 500 000 Pfund
Mann gegen Mann

Nun ist er wieder da, wo er fast seine gesamte Karriere verbrachte: bei Prudential. Der ehemalige Fußball–Profi Mark Tucker soll dem Versicherer endlich wieder Ruhe verschaffen.

HB LONDON. Auch gestandene Manager haben sentimentale Momente. Als Mark Tucker vor zwei Jahren den Abschied von seinem Amt als Asienchef des zweitgrößten britischen Versicherers Prudential verkündete, wirkte seine Stimme brüchig. Tucker, ein Mann mit kurzen, schwarzen Haaren und einer breiten Nase, hielt eine für einen Wirtschaftsprüfer bemerkenswert emotionale Abschiedsrede. „Wundervolle Leidenschaft und Stolz“ habe er bei dem Konzern kennen gelernt und Beziehungen aufgebaut, die „mit Worten nicht zu beschreiben“ seien. Es war leicht zu sehen, dass ihm der Abschied schwer fiel.

Nun ist er wieder da, wo er fast seine gesamte Karriere verbrachte: bei Prudential. Und diesmal geraten eher die Märkte in Bewegung als die Gefühle: Schon als seine Ernennung zum Vorstandschef bekannt wurde, schnellte die Aktie empor. Seit seinem Amtsantritt im Mai wartet die Branche nun gespannt, ob dem 47-Jährigen gelingt, was schon sein Vorgänger Jonathan Bloomer vergeblich – und mit beträchtlichem Flurschaden – versuchte hat: die Internet-Bank Egg zu verkaufen. Das seit der unglücklichen Expansion nach Frankreich ungeliebte Unternehmen, an dem Prudential fast vier Fünftel hält, könnte Gerüchten zufolge schon bald einen anderen Besitzer finden.

Doch vor Tuckers erstem öffentlichem Auftritt bei der Präsentation der Halbjahreszahlen des Versicherers Ende Juli dürfte es wohl nichts werden. An diesem Termin wäre die Finanzwelt schon froh, wenn er sich keinen Ausrutscher leistet. Nach der an Pannen und Peinlichkeiten reichen Zeit seines Vorgängers Bloomer kann Tucker schon mit wenig punkten.

Prudential hat turbulente Jahre hinter sich. Erst musste Bloomer seinen Versuch, den amerikanischen Versicherer American General zu übernehmen, aufgeben. Dann genehmigte er sich und seinen Vorstandskollegen in der Krise ein generöses Gehaltspaket. Wenig später kürzte er zum ersten Mal seit dem Ersten Weltkrieg die Dividende. Nach dem gescheiterten Egg-Verkauf brachte er Investoren vollends gegen sich auf, als er 2004 eine Kapitalerhöhung ankündigte – obwohl er zuvor über Monate Anleger in dem Glauben gelassen hatte, das Institut benötige kein frisches Geld. Auch der Grund für das höhere Kapitalpolster erzürnte die Anleger: Bloomer wollte den heimischen Markt erobern – knapp zwölf Monate zuvor wollte er dort noch aussteigen.

Prudential-Chairman David Clementi entschied sich zum Königsmord. Als die Investoren gerade akzeptiert hatten, dass Bloomer trotz der Kontroversen bleibt, wurde er von Clementi abserviert. Nachfolger Tucker sollte vor allem die Hoffnung auf Stabilität zu Prudential zurückbringen.Clementi hatte hinter Bloomers Rücken Kontakt zu Tucker aufgenommen. Dieser wurde von der Entmachtung kalt überrascht und zeigte sich „enttäuscht“. Sogar von einer Revolte im Vorstand der Versicherung war die Rede, die jedoch – wenn es sie gab – schnell in sich zusammenfiel.

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