Einstellung gegen Geldauflage
Gericht spart sich Mannesmann-Prozess

Das Zittern für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und seine Mitangeklagten im Mannesmann-Prozess ist vorbei. Das Landgericht Düsseldorf hat das Verfahren wie absehbar gegen die Zahlung einer Millionensumme eingestellt. Fraglich war bis zum Schluss, wie das Gericht seine Entscheidung begründen wird. Die nun veröffentlichte Argumentation wirkt auf den Laien höchst seltsam.

HB DÜSSELDORF. Nach Angaben des Vorsitzenden Richters, Stefan Drees, besteht kein öffentliches Interesse an einer Fortsetzung des Verfahrens. Die Taten seien schon vor sechs Jahre begangen worden. Die Angeklagten seien in der Vergangenheit einer überdurchschnittlichen Belastung ausgesetzt gewesen. Offene rechtliche Fragen hätten in einem überschaubaren Zeitraum nicht geklärt werden können, argumentierte der Richter am Mittwoch vor dem Düsseldorfer Landgericht.

Mit seiner Entscheidung folgt das Gericht dem Antrag der Verteidigung und der Anklage vom Freitag. Verteidigung und Staatsanwaltschaft hatten sich darauf geeinigt, dass die sechs Angeklagten eine Geldauflage von 5,8 Mill. Euro zahlen und das Verfahren eingestellt wird.

Die Angeklagten hätten sich nicht freigekauft, betonte Richter Drees. Tausende von Verfahren würden in Deutschland jährlich ähnlich dem Mannesmann-Verfahren gegen Geldauflagen beendet. Auch Ackermanns Verteidiger Klaus Volk betonte, es handele sich nicht um einen Freispruch zweiter Klasse für den Deutsche-Bank-Chef. Bei der Auflage von 3,2 Mill. Euro für Ackermann handele es sich um keine Strafe, nicht einmal um eine Geldbuße. Auf die Chance eines Freispruchs habe die Verteidigung verzichtet, weil sich das Verfahren monatelang hingezogen hätte. "Und wir wollten Ackermann den Rücken freihalten für die Arbeit bei der Bank."

Ackermann zahlt selber

Ackermann will die Millionen aus eigener Tasche bezahlen. Der Banker ist dank der Einigung nicht vorbestraft. Ein Schuldeingeständnis ist damit nicht verbunden. Für Ackermann endet somit eine jahrelange Zitterpartie. Bereits zu seinem Amtsantritt vor vier Jahren hatte die Staatsanwaltschaft ermittelt; die Anklage war im Herbst 2003 vom Gericht zugelassen worden. Bei einer Verurteilung wäre Ackermann an der Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus kaum zu halten gewesen.

Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser muss 1,5 Mill. Euro zahlen. Im Zuge der Mannesmann-Übernahme hatte er eine Prämie von 16 Mill. Euro kassiert. Esser, der über Jahre hinweg für einen Freispruch gekämpft hatte, wollte sich nicht zur Einstellung des Verfahrens äußern.

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