Einstige Londoner Starbankerin taucht nur selten auf
Der „Saunders-Reflex“ funktioniert noch

Die alten Reflexe funktionieren noch. Kürzlich machte das Gerücht die Runde, Robin Saunders könne mit einem Konsortium von Investoren für 1,5 Milliarden Pfund die Formel 1 übernehmen. Und schon war der Name der attraktiven 43-Jährigen, die heute eine kleine Investmentfirma führt, wieder in aller Munde.

LONDON. Sofort tauchten die Stereotype auf: „Golden Girl“ und „einflussreichste Frau der Quadratmeile“. Noch immer zieht die Ex-Chefin des Principal Finance der WestLB Beobachter in ihren Bann wie keine Zweite in der City. Es liegt wohl auch daran, dass anderthalb Jahre nach dem eher unrühmlichen Ausscheiden aus der deutschen Bank glamouröse Alternativen fehlen. Zwar hat die City hochkarätige Frauen zu bieten wie Börsenchefin Clara Furse. Doch die würde sich nie derart exponieren wie Saunders zu ihren lautesten Zeiten.

Über Jahre versuchte die Mutter von Zwillingen, mithilfe der Medien ihr Profil zu schärfen. Nur zum Teil lag das an den von ihr organisierten Transaktionen. Die 1,4 Milliarden Dollar teure Zwischenfinanzierung der Formel 1 gehörte zu ihren spektakulärsten Deals, ebenso ihre Hilfe für den Milliardär Philip Green bei der Übernahme des Einzelhändlers BHS.

Schlagzeilen machte sie gerne mit ihrem Privatleben. In bester Erinnerung ist die Party zu ihrem 40. Geburtstag, bei der sie illustre Gäste für ein paar Tage nach Florenz einlud. Sie reagierte gerne persönlich auf Anfragen der Medien und gab stets neue, ehrgeizige Pläne zum Besten. Am Ende scheiterte sie bei der WestLB, weil sie ein zu hohes Risiko fuhr. Das Geschäftsmodell des Fernsehverleihers Boxclever kollabierte. Als die Wertberichtigungen 700 Millionen Euro erreichten, zog die Bank den Schlussstrich. Saunders musste gehen.

Heute gibt sie sich geläutert. Sie hat seit anderthalb Jahren nicht mehr mit den Medien gesprochen, überhaupt ist sie kaum präsent. Dank ihres einprozentigen Anteils an BHS taucht sie ab und zu in Listen über die reichsten Bankerinnen auf. Im Mai besuchte sie Australien, um bei einem Mittagessen für „einflussreiche Frauen“ zu sprechen.

Beruflich ist die Realität trister. Ihr neues Projekt heißt Clearbrook Capital Partners. Dahinter verbirgt sich ein Wagniskapitalgeber, der auch Beratung anbietet. Im August 2004 eröffnete die Investmentboutique und peilte mit weniger als zehn Mitarbeitern Deals zwischen 100 Millionen und zwei Milliarden Euro an. Sie konzentriere sich auf Finanzen, Technologie, Gesundheit und Transport, heißt es aus ihrem Umfeld.

Herausgekommen ist bisher wenig, und schon gar nichts Spektakuläres. Ab und zu hört man ihren Namen schon noch. Sie soll sich für Immobilien der Internet-Hotelfirma Global Switch interessieren. Doch so etwas bestätigt sich nicht, wie sie auch nichts über andere Deals sagt. Offensichtlich fehlt ihr die Bilanzsumme einer großen Bank.

Auch der Traum von einer spektakulären Zukunft währte nicht lang. Aus Saunders Umfeld hieß es, die Formel-1-Geschichte sei falsch. Vielleicht wollte jemand nur einmal alte Reflexe testen.

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