Einwanderer schaffen in Deutschland Tausende Jobs
Zu mehr Wohlstand mit Wei und Mustafa

In einer neuen Serie stellt das Handelsblatt an dieser Stelle jeden Donnerstag Immigranten vor, die hier zu Lande Unternehmen gegründet und Tausende Jobs geschaffen haben. Für die Migranten-Unternehmer ist Deutschland ein Land der Chancen.

FRANKFURT Er hatte die Lounge des traditionsreichen Frankfurter Hofs vorgeschlagen. Das Hotel mit dem leicht altmodischen Ambiente ist Treffpunkt für Geschäftsleute und Schickimicki inmitten der Mainmetropole. Als Prinz Asfa-Wossen Asserate den Raum betritt, begrüßt der Chef der Lounge seinen Stammgast persönlich. Ist der Cappuccino serviert, kommt der Prinz ohne Umschweife zum Thema: „Wer die Heimat verlässt, zählt zu den dynamischen Menschen“ wie einst die Hugenotten. Und wie er selbst. 1974 wurde Asserate, der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile-Selassi, daheim ausgebürgert. Heute arbeitet er erfolgreich als Unternehmensberater in Frankfurt.

In einer neuen Serie stellt das Handelsblatt an dieser Stelle jeden Donnerstag Immigranten vor, die hier zu Lande Unternehmen gegründet und Tausende Jobs geschaffen haben. Sie eint, dass sie oder ihre Eltern als Studenten, Flüchtlinge oder Asylanten aus China, Indien, dem Iran oder der Türkei nach Deutschland kamen. Im Rampenlicht stehen Pioniere wie der Reiseveranstalter Vural Öger oder Kemal Sahin, der von Aachen aus den globalen Mischkonzern Sahinler mit über 5 000 Beschäftigten in 13 Ländern aufbaute.

Für die Migranten-Unternehmer ist Deutschland ein Land der Chancen. Den Beweis für Multikulti als Wachstumsprogramm liefert Faruk Sen. Der Professor ist Chef des Zentrums für Türkeistudien in Essen: „In Deutschland erwirtschaften 61 000 türkische Unternehmer einen Jahresumsatz von 29 Mrd. Euro. Sie haben 7,4 Mrd. Euro investiert und fast 320 000 Arbeitsplätze geschaffen.“ Der Beitrag der größten ethnischen Minorität zu Deutschlands Wohlstand ist enorm. Beide, der Muslim Sen wie der Christ Asserate, halten die Sprache für den Schlüssel zum Erfolg. „Sprichst du die Menschen in ihrer Muttersprache an, kommt kein Rassismus auf“, sagt der Prinz.

Dennoch könnten die Biografien beider unterschiedlicher nicht sein. Der 1948 in Ankara geborene Sen kam 1971 zum Studium nach Münster. Das war der Start für eine lupenreine Akademikerkarriere: von der Promotion in Ökonomie bis zur Professur an der Universität Essen.

Asserate schaffte den Sprung ins bürgerliche Leben aus dem Chaos heraus. 1948 als Sohn eines Herzogs geboren, studierte er nach dem Abitur an der Deutschen Schule in Addis Abeba in Tübingen, Cambridge und Frankfurt Geschichte, Jura und Volkswirtschaft. Als 1974 marxistisch-nationalistische Militärs in Äthiopien putschten, wurde er über Nacht staatenlos: „Ich war der klassische politische Asylant des deutschen Grundgesetzes.“ Asserate stieg zum Pressechef der Düsseldorfer Messe auf und fand seine Geschäftsidee: „Deutsche Unternehmer im Export und bei Investitionen in Afrika und Nahost zu beraten.“

Sen tummelt sich in diversen Projekten des türkisch-deutschen Alltags – er hat seine „Lebensaufgabe“ gefunden. „Deutschland ist nicht ausländerfeindlich, im Gegenteil – es bietet Türken Chancen, die sie zu Hause nie hätten“, sagt Sen.

Auch der polyglotte Prinz und Bestseller-Autor – sein Buch „Manieren“ geht auf eine Anregung von Hans Magnus Enzensberger zurück – lobt das politische Klima: „Im deutschen Alltag geht es liberaler zu als in Frankreich oder Großbritannien.“ Dort könne man noch auf eine „Kolonialherren-Attitüde“ treffen. In Deutschland aber sei er wegen seiner dunklen Hautfarbe nie auf Ressentiments gestoßen, „schon gar nicht im Geschäftsleben“.

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