Ekkehard Schulz
Thyssen-Krupp-Chef: Stahlkrise zum Karriere-Finale

Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz hat in seiner Karriere als Stahlmanager viele Krisen durchgestanden. Doch der Abschwung, mit dem sich die Branche nun konfrontiert sieht, ist auch für ihn neu. Kurz vor dem 10-jährigen Jubiläum der Fusion muss der technikversierte Manager nun das Geld zusammenhalten - trotz einiger Umbauvorhaben.

DÜSSELDORF. Von einer Woche auf die nächste bricht im Oktober die Nachfrage nach Stahl ein. Einen derart rapiden Rückfall gab es noch nie, meinen Stahlunternehmer. Aus Angst vor hohen Lagerbeständen dampfen die Kunden aus dem Anlagenbau, der Auto- und der Bauindustrie die Bestellungen ein, denn sie ringen selbst mit einer schwachen Nachfrage.

Mit der Finanzkrise hat sich der Markt komplett gedreht; aus einem Mangel an Stahl ist ein Überangebot geworden. Vorbei sind die Zeiten, in denen Thyssen-Krupp und andere Stahlhersteller ihren Abnehmern die Preise diktieren konnten. Thyssen-Krupp hatte noch zur Jahresmitte bestehende Lieferverträge mit Autobauern nachverhandelt und höhere Stahlpreise durchdrücken können. Die nächste Erhöhung folgte im August. Zu dem Zeitpunkt konnte Schulz noch ohne Sorge in die Zukunft blicken. Nichts deutete bei der Vorbereitung für den Abschlussbericht für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr 2007/2008 auf eine Krise hin. Danach aber hätten die Planungen zügig nachgebessert werden müssen, heißt es im Konzern.

Die wichtigste Frage lautet nun: Wie lange wird die Flaute dauern? Darauf kann im Moment kein Stahlmanager eine befriedigende Antwort geben, auch Schulz wohl nicht - trotz seiner 35 Jahre Erfahrung in der Branche.

Dennoch wird der hochgewachsene Manager am Freitag auf der Bilanzpressekonferenz in der Essener Villa Hügel Stellung zur Branchenentwicklung beziehen müssen. Dabei wird er die Marschrichtung für den Rest seiner bis Januar 2011 laufenden Amtszeit vorgeben. Wie andere Konzernlenker wird Schulz die Kosten senken müssen, um sein Unternehmen krisenfest zu machen. Die Manager der einzelnen Sparten durchforsten derzeit ihre Bereiche nach Einsparmöglichkeiten. Um eine Mrd. Euro will der 67-jährige Konzernchef die Kosten drücken.

Als Reaktion auf die Flaute hat Thyssen-Krupp Mitarbeiter der Stahlsparte über Weihnachten und Silvester in verlängerte Werksferien geschickt. In der Belegschaft verursacht dies - gepaart mit dem neuen Sparprogramm - natürlich Unruhe; allerdings genießt der Mann an der Spitze des Industriekonzerns das Vertrauen der weltweit 190 000 Beschäftigten. "Schulz ist kein kalter Rechner, sondern einer, der an einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung interessiert ist", sagt ein Betriebsrat. Ein Stellenabbau, wie er bei Arcelor stattfinde, sei nicht zu erwarten.

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