Eklat im Aufsichtsrat
Cromme verlässt VW im Streit

Der frühere Thyssen-Krupp-Chef Gerhard Cromme zieht sich aus dem Aufsichtsrat des Wolfsburger Autobauers VW zurück.

HB HAMBURG. „Wir bestätigen, dass das Mandat von Herrn Cromme mit der Hauptversammlung am 3. Mai 2006 ausläuft“, sagte ein Sprecher von Thyssen-Kruppam Mittwoch. Zu den Gründen für Crommes Rückzug wollte sich Thyssen-Krupp nicht äußern. Mehrere mit der Situation bei VW vertraute Personen hatten zuvor berichtet, der frühere Thyssen-Krupp-Chef habe auf der Aufsichtsratssitzung vergangene Woche angekündigt, er werde sich nicht zur Wiederwahl stellen. Cromme habe seine Entscheidung mit Kritik an Aufsichtsratschef Ferdinand Piech verbunden. Das „Manager-Magazin“ berichtete vorab, Cromme habe sich über das Verhalten von Piech geärgert, das er für unvereinbar mit seinem Verständnis von Unternehmenskontrolle halte. VW selbst wollte dies nicht kommentieren.

Piech hatte im Aufsichtsrat mit Unterstützung der Arbeitnehmerseite den Audi-Personalchef Horst Neumann gegen die Mehrheit der Kapitalvertreter als neuen Arbeitsdirektor von Volkswagen durchgesetzt. In der Aufsichtsratssitzung war es darüber zum Eklat gekommen. Neumann gilt als Wunschkandidat der IG Metall.

Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat hatten Piech zuvor gegen Rücktrittsforderungen von Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff verteidigt. Der CDU-Politiker vertritt den 18,2-Prozent-Anteil des Landes im Aufsichtsrat von VW. Er wirft Piech einen Interessenkonflikt nach dem Einstieg des Sportwagenbauers Porsche bei VW vor. Piechs Familie hält alle stimmberechtigten Aktien an Porsche. Porsche ist seit kurzem mit 18,5 Prozent größter VW-Aktionär.

Wulff hat wiederholt kritisiert, Piech verstoße in seiner Doppelrolle als Großaktionär von Porsche und Aufsichtsrats-Chef von Volkswagen gegen Grundsätze der guten Unternehmensführung. Cromme leitet die Regierungskommission für den Corporate Governance Kodex.

Spekulationen über das Ausscheiden von Cromme sowie weiteren Aufsichtsratsmitgliedern hatte es bereits vermehrt im Zusammenhang mit dem Einstieg von Porsche gegeben. Da angeblich der Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking sowie Finanzvorstand Holger Härter einen Sitz im Aufsichtsrat beanspruchen, gelten neben Cromme auch Heinrich von Pierer sowie Hans Michael Gaul als mögliche Kandidaten, die sich nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Bei allen drei AR-Mitgliedern laufen die Amtszeiten zur nächsten Hauptversammlung aus.

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