Elektronikkonzern Casio
Der ewig Unzufriedene

Wie Kazuo Kashio den japanischen Elektronikkonzern Casio durch die Wirtschaftskrise steuert

TOKIO

Der Unterschied zu einem Subprime-Wertpapier könnte nicht größer sein. Die Produkte von Casio sind völlig reell und leicht verständlich. Wenn mit einer Uhr oder einer Digitalkamera etwas nicht stimmt, dann merkt der Kunde das sofort - anders als bei den Mogelprodukten der US-Finanzbranche.

"Nur ein gutes Produkt verkauft sich. Ein schlechtes Produkt lässt sich nicht an den Mann bringen, das ist meine Erfahrung aus vielen Jahrzehnten im Geschäft", sagt Kazuo Kashio - und macht sich deshalb keine allzu großen Sorgen wegen der aktuellen Finanzkrise. Der Chef des Elektronikkonzerns Casio setzt darauf, technisch immer führend zu sein - die wichtigsten Leute im Unternehmen sind die Ingenieure.

Auch ansonsten herrscht eine klare Ordnung im Hause. Vor dem Gespräch mit Kashio im obersten Stock des Casio-Buildings in Tokio hat sein Assistent die Sitzordnung festgelegt - der Chef nimmt immer im selben Sessel Platz. Dann kommt der President. Der 79-Jährige bewegt sich etwas vorsichtig, hält sich aber perfekt gerade und begrüßt seine Gäste mit mildem Lächeln.

Kashio und Casio, das ist auf Japanisch dasselbe Wort, zumindest von der Aussprache her. Und so ist auch die Firma Casio praktisch identisch mit der Tüchtigkeit der Familie Kashio. Kazuo hat das Unternehmen 1957 mit seinen Brüdern gegründet. Noch heute leiten nur Familienmitglieder das Unternehmen. "Die Aktionäre reden uns kaum rein und überlassen uns das Geschäft", sagt Kashio. Kein Wunder, in der Firmengeschichte gab es nur in einem einzigen Jahr einen kleinen operativen Verlust. Die operative Gewinnmarge übertrifft mit glatt sechs Prozent den japanischen Branchenschnitt.

Casio achtet streng auf die Kosten. "Gute Produkte müssen auch bezahlbar sein, sonst liegen sie im Wettbewerb nicht vorne", sagt Kashio. Er lässt viel in China herstellen, sieht darin aber kein Problem. Schon zur Absicherung gegen Währungsrisiken müsse sein Unternehmen da hingehen, wo die Märkte liegen.

Da es dem Unternehmen gutgeht, findet Kashio die derzeitige Bewertung am Aktienmarkt völlig unangemessen - der Kurs ist seit Sommer um knapp 40 Prozent gefallen. "Das ist schon schrecklich, was da an den Märkten passiert", sagt er. Klar erwarte er eine Nachfrageschwäche für die kommenden Monate. Dazu Belastungen durch den Anstieg des Yens und den schwachen Dollar.

Doch wer langfristig die Sachen anbiete, die sich wirklich gut verkaufen, mache schon alles richtig. Da spricht einer, der den Ölschock der 70er-Jahre, das Platzen der japanischen Immobilienblase 1989 oder die Asienkrise von 1997 ohne größere Schäden hinter sich gelassen hat.

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