Elf Millionen Euro Schadenersatz geleistet
Rechtsstreit zwischen Rewe und Berninghaus beendet

Der frühere Rewe-Chef Dieter Berninghaus hat Deutschlands drittgrößtem Lebensmittelhändler wegen einer dubiosen Firmenübernahme Schadenersatz in Höhe von insgesamt elf Millionen Euro geleistet. Der Zivilrechtsstreit sei damit beendet, teilte das Kölner Landgericht am Donnerstag mit.

HB KÖLN. Rewe hatte in einem der spektakulärsten Schadenersatzprozesse in der deutschen Wirtschaft von seinem ehemaligen Vorstandschef zunächst rund 27 Millionen Euro gefordert. Hintergrund war der von Berninghaus eingefädelte Kauf der Internetfirma Nexum durch Rewe, bei dem der Manager ohne Wissen des Konzerns eine Provision von 6,5 Millionen Euro kassierte. Die 25 Millionen Euro teuere Investition, mit der sich Rewe auf dem Höhepunkt des Internet-Booms ein Standbein im Online-Handel sicher wollte, hatte sich nach Unternehmensangaben später als praktisch wertlos erwiesen.

Berninghaus zahlte Rewe im Rahmen des Vergleichs die gesamte im Zuge der Nexum-Übernahme an ihn geflossene Provision in Höhe von 6,5 Millionen Euro. Außerdem verzichtete der Manager auf alle Leistungen aus der Aufhebungsvereinbarung seines Vorstandsvertrages und auf alle Pensionsrechte. Die Höhe der gesamten Kompensation bezifferte Rewe auf 11 Millionen Euro.

Die strafrechtliche Aufarbeitung der Vorwürfe gegen den Topmanager geht allerdings weiter. Aber auch zwei Monate nach Erhebung der Anklage gegen den früheren Rewe-Chef Dieter Berninghaus steht noch nicht fest, ob sich der ehemalige Top-Manager strafrechtlich vor Gericht verantworten muss.

Die zuständige große Wirtschaftskammer des Landgerichts Köln prüfe noch, ob die Mitte November erhobene Anklage der Staatsanwaltschaft gegen Berninghaus wegen schwerer Untreue zugelassen werde, teilte das Landgericht am Donnerstag mit. Es sei noch offen, ob sich möglicherweise ebenso wie im zuvor durch Vergleich beendeten Zivilverfahren auch in der Strafsache eine Verständigung erzielen lasse, sagte ein Gerichtssprecher. Die Kammer sei stark durch andere Verfahren beansprucht worden, begründete er die lange Prüfdauer.

Das Zivilverfahren gegen Berninghaus war bereits im August durch einen Vergleich beendet worden. Am Donnerstag teilte das Landgericht nun mit, dass die zuständige Kammer diesen Vergleich endgültig festgestellt habe, nachdem alle Bedingungen erfüllt worden seien. Der frühere Rewe-Chef hatte damals zugestimmt, 6,54 Millionen Euro an seinen einstigen Arbeitgeber zurückzuzahlen. Außerdem hatte er auf vereinbarte Ruhestandsgehälter verzichtet, wodurch die Rewe-Gruppe insgesamt auf eine Kompensation von elf Millionen Euro kam. Rewe wirft dem Manager vor, die Handelsgruppe bei der Übernahme der Internet-Firma Nexum im Jahr 2000 für insgesamt 27 Millionen Euro betrogen zu haben. Berninghaus war zeitweise selber an Nexum beteiligt gewesen und hatte bei der Transaktion eine „Provision“ von 6,54 Millionen Euro kassiert. Er war im Oktober 2004 nach nur sechs Monaten im Amt als Vorstandssprecher ausgeschieden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%