Elite-Studenten warten nicht
Immer mehr geistiges Potenzial wandert aus

Weil für deutsche Nachwuchswissenschaftler attraktive Arbeitsbedingungen fehlen, gehen sie ins Ausland - und nehmen ihr Wissen mit. Vor allem höhere Gehälter und unbefristete Verträge locken die „High-Potentials".

HB HEIDELBERG. Werner Riess, 33-jährige Althistoriker und Experte für Kriminalität in der Antike, steht in seinem neuen, modern eingerichteten Büro. An der Tür ist in schwarzen Lettern „Professor“ angeschlagen. Riess arbeitet seit Jahresanfang als Assistant Professor an der renommierten Universität von North Carolina in Chapel Hill an der amerikanischen Ostküste.

Bislang war Werner Riess am Seminar für Alte Geschichte der Universität Heidelberg tätig. Wie fast alle Jungwissenschaftler hatte er einen befristeten Vertrag. Die im Jahr 1386 gegründete Hochschule soll unter Umständen zu einer deutschen „Elite-Universität“ ausgebaut werden. Doch bisher gibt es auch hier für Nachwuchswissenschaftler kaum attraktive Arbeitsbedingungen. Daher verlassen viele Historiker, Germanisten, Politologen und andere Akademiker Deutschland in Richtung Amerika.

„In meinem Bereich war es in Deutschland kaum möglich, eine unbefristete Arbeitsstelle mit Zukunft zu bekommen“, sagt Riess. „Der Forschungsstandort Deutschland muss deshalb in allen Bereichen neue Nachwuchswissenschaftler gewinnen und zugleich die Abwanderung von geistigem Potenzial in die USA verhindern.“

Der Altertumsforscher plädiert für die „sofortige Abschaffung der Befristungsregel in Deutschland“. Wissenschaftler müssten auch zwölf Jahre nach dem Beginn der Doktorarbeit die Möglichkeit haben, befristete sowie projektbezogene Verträge einzugehen. Vor allem aber müssten Stellen mit Aussicht auf Entfristung geschaffen werden, um Jungwissensschaftlern eine Zukunftsperspektive zu bieten - wie in den USA längst üblich.

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