Elizabeth Duke
Dramaturgin der US-Notenbank

Die Steilvorlage für Spötter könnte nicht besser sein: Mitten in einer der dramatischsten Phasen der US-Finanzgeschichte hat US-Präsident George W. Bush mit Elizabeth A. Duke eine studierte Theaterwissenschaftlerin in das höchste Gremium der US-Notenbank Fed beordert. Passenderweise heißt die Fachrichtung, in der Duke abgeschlossen hat, schlicht "Drama".

NEW YORK. Tatsächlich aber hat die heute 55-Jährige nach ihrem Bachelor-Studium als einfache Schalterangestellte bei einer Lokalbank begonnen und nebenher ihren MBA-Abschluss gemacht. Heute blickt sie auf eine 32-jährige Karriere als Topmanagerin vor allem bei mittelgroßen Geschäftsbanken zurück. Zuletzt war sie bei Wachovia, dem viertgrößten US-Institut nach Bilanzsumme tätig. Als einzige Frau im Direktorium der Federal Reserve spricht sie nun ein gewichtiges Wort bei Leitzinsentscheidungen und bei Aufsichtsfragen mit.

"Betsy" Duke war in ihrer Karriere schon mehr als einmal in einer Sonderrolle. So war sie die erste Frau, die Bankenverbandes von Virginia leitete, und ebenso die erste Präsidentin des US-Bankenverbandes. Im derzeit sechsköpfigen "Board of Governors" ist sie aber nicht nur die einzige Frau, sondern auch das einzige Mitglied mit Erfahrung als Managerin einer Geschäftsbank. Daher hofft die US-Finanzgemeinde nun auf einen pragmatischeren Kurs der Notenbank. "Der Rest des Gremiums besteht aus Leuten, die sich vor allem auf Daten und Theorien konzentrieren", urteilt Anthony Crescenzi, Chefanleihenstratege bei Miller Tabak. "Man muss sich schon fragen, ob wir nicht mehr aktive Banker dort brauchen", kritisiert auch Lacy Hunt, ehemalige Fed-Volkswirtin, die Aufstellung der Fed-Spitze.

Welchen Schwerpunkt Duke im traditionellen Spannungsfeld der Fed zwischen Steuerung des Wirt-schaftswachstums und Bekämpfung der Inflation setzt, ist derzeit offen. Äußerungen von Weggefährten, die sie als "pragmatisch" und "konsensorientiert" beschreiben, lassen aber erahnen, dass sie dem Wirtschaftswachstum im Zweifel den Vorzug geben könnte. "Sie ist sich der Nebenwirkungen geldpolitischer Entscheidungen bewusst", sagt John Weinberg, der als Volkswirt mit Duke bei der Richmond Fed gearbeitet hat.

Duke selbst betonte 2007 in einer Kongress-Anhörung, dass sie die Auswirkungen steigender Leitzinsen auf das Geschäft kleiner Firmen vor Ort genau kenne. Sie fügte hinzu: "Ich unterstütze nachhaltig das Doppelmandat der Fed, gleichzeitig für stabile Preise und maximale Beschäftigung zu sorgen."

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