EM.TV-Gründer verurteilt
Haffa-Brüder werden zur Kasse gebeten

Die beiden früheren EM.TV-Vorstände Thomas und Florian Haffa sind wegen falscher Darstellung der Geschäftslage vom Landgericht München überraschend zu Geldstrafen verurteilt worden. Sollte die Verurteilung rechtskräftig werden, könnte das nach Einschätzung von Rechtsexperten die Chancen auf Schadenersatz erhöhen.

Reuters MÜNCHEN. Die Strafkammer verhängte am Dienstag gegen Thomas Haffa, den früheren Vorstandschef des Medienkonzerns, eine Geldstrafe von 1,2 Mill. €. Sein Bruder Florian Haffa muss als ehemaliger Finanzvorstand 240 000 € zahlen. Die Vorsitzende Richterin Huberta Knöringer sagte, die Haffa-Brüder hätten sich einer unrichtigen Darstellung nach Paragraf 400 Aktiengesetz schuldig gemacht. Sie hätten von den falschen Geschäftszahlen gewusst und vorsätzlich gehandelt. „Die Zahlen sind unrichtig. Es ist nicht der Sinn von veröffentlichten Zahlen, dass man Nachforschungen anstellen muss“, sagte Knöringer in Richtung von Florian Haffas Verteidiger, der die Zahlen in seinem Plädoyer am Montag als richtig darstellte.

Überraschend sah das Gericht darin nun doch eine Straftat, nachdem die Kammer im März noch von einer Ordnungswidrigkeit gesprochen hatte. Die Angeklagten folgten der Urteilsbegründung mit niedergeschlagenen Mienen und verließen das Gericht wortlos im Blitzlichtgewitter der Fotografen. Knöringer kritisierte die Äußerungen des früheren Finanzvorstandes vor Gericht. „Der Kammer sind natürlich auch die wechselnden Einlassungen von Florian Haffa aufgefallen“, sagte sie.

Dass es im dem spektakulären Prozess, in dem unter anderem der Medienunternehmer Leo Kirch als früherer Geschäftspartner aussagte, keine Haftstrafen geben würde, hatte sich bereits während des Verlaufs angedeutet. Staatsanwalt Peter Noll hatte dennoch eine Bewährungsstrafe von acht Monaten und eine „fühlbare Geldstrafe in Millionenhöhe“ wegen Kursbetrugs in Tateinheit mit vorsätzlicher Täuschung nach dem Börsen- und Aktiengesetz gefordert. Die Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert.

Den einstigen Star-Unternehmern des untergegangenen Neuen Marktes wurde vorgeworfen, die Aktionäre bei den Halbjahreszahlen 2000 vorsätzlich falsch über die Lage der Gesellschaft informiert und insgesamt rund 200 Mill. DM zuviel Umsatz ausgewiesen zu haben.

Betroffene Anleger kamen im Prozess nicht zu Wort. Sollte die Verurteilung wegen einer Straftat rechtskräftig werden, könnte das die Chancen von Anlegern auf Schadenersatz erhöhen. Es wird mit einer Reihe von solchen Klagen gerechnet.

Die Vorgänge bei EM.TV trugen mit zum Vertrauensverlust der Investoren und zum Niedergang des Börsensegments Neuer Markt bei. Die Aktie des immer noch schwer angeschlagenen Unternehmens ist derzeit noch knapp 80 Cent wert. Zu ihren besten Zeiten hatte sie über 110 € gekostet.

Bereits im November war der frühere Comroad-Chef Bodo Schnabel wegen Betrugs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Die beiden früheren Infomatec-Chefs Gerhard Harlos und Alexander Häfele müssen sich seit vergangener Woche wegen Kurs- und Kapitalbetrugs sowie Insiderhandel vor dem Landgericht Augsburg verantworten. Beide Firmen waren ebenfalls am Neuen Markt notiert gewesen.

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