Emirates NDB
Rick Pudner: Halb Stratege, halb Psychologe

Man sollte sich durch die lockere Art von Banker Rick Pudner nicht täuschen lassen. Der Vortstandschef von Emirates NDB ist sehr ehrgeizig. Mit viel Verhandlungsgeschick baute er seine Bank zur größten des Nahen Ostens auf - und der 51-Jährige will noch höher hinaus.

DUBAI. Als Rick Pudner kürzlich an der Bar des Golfclubs Al Badia Four Seasons in Dubai nach seiner Mitgliedsnummer gefragt wurde, zuckte er nur lässig mit den Schultern. "Weiß ich nicht", räumte der 51-jährige Brite lächelnd ein. "Ich habe hier seit einem Jahr nicht mehr gespielt." Typisch Pudner: Jovial, humorvoll, geradeheraus. "Er kann sich auch mal selbst auf die Schippe nehmen", sagt einer, der ihn gut kennt.

Doch man sollte sich durch die lockere Art des Gelegenheitsgolfers nicht täuschen lassen. Rick Pudner ist ehrgeizig, und er will noch höher hinaus. Gerade hat der Vorstandschef von Emirates NBD, mit einer Bilanzsumme von etwa 78 Mrd. Dollar die größte Bank des Nahen Ostens, die Branche mal wieder aufhorchen lassen.

Die Gesamteinnahmen des Instituts stiegen im ersten Halbjahr 2008 um 49 Prozent auf rund 1,3 Mrd. Dollar. Der Nettogewinn legte im gleichen Zeitraum um 41 Prozent auf rund 730 Mill. Dollar zu. Das Verhältnis zwischen Kosten und Einkünften sank im Vergleich zur Jahresfrist sogar leicht auf 37,4 Prozent. Zahlen, auf die die US-Hypothekenkrise nicht den geringsten Schatten geworfen hat. Kein Wunder, dass das renommierte Magazin "Banker Middle East" Pudner als "Banker des Jahres" feiert.

Die Bilanz wiegt umso schwerer, da der langjährige HSBC-Banker eine kraftraubende Fusion stemmen muss. Scheich Mohammed, der Herrscher von Dubai, trieb mit Macht die Schaffung eines regionalen Banken-Champions voran. Und so schlossen sich die Emirates Bank International und die National Bank of Dubai im Oktober 2007 zum Finanz-Dickschiff Emirates NBD zusammen. "Natürlich gab und gibt es Widerstände", räumt ein Manager der Bank ein.

Das weiß auch Pudner. Der studierte Ökonom agiert behutsam und spielt die gesamte Klaviatur seiner Kommunikationskunst, ein Maestro mit Samthandschuhen. Alle drei Monate geht er mit seiner Führungsriege in eine Wochenend-Klausur. Darüber hinaus findet derzeit täglich ein sogenannter Kultur-Workshop statt, bei dem 30 bis 50 Angestellte die "Integration" - wie der Zusammenschluss firmenintern genannt wird - in Rollenspielen üben. Offenheit ist für Pudner Trumpf. Wenn einer seiner mehr als 7 000 Mitarbeiter etwas wissen will, kann er auf den Intranet-Link "Ask the CEO" klicken, und der Chef oder sein Büro antworten.

Trotz des Herkules-Jobs verliert Pudner seine Vision nicht aus den Augen. "Wir wollen zu den 100 profitabelsten Banken der Welt gehören", gab er als Losung aus. Im Klartext: Der Netto-Gewinn soll bis 2010 auf rund 2,7 Mrd. Dollar verdoppelt werden. Pudner setzt dabei vor allem auf das Zugpferd der Unternehmensfinanzierung, aber auch auf das wachsende Privatkundengeschäft. Egal ob Emirates Airlines, die Bau-Entwicklungsgesellschaft Emaar oder die Börse Dubai: Die großen Konzerne der Region klopfen bei Pudner an, wenn sie ein Milliarden-Darlehen brauchen. Und die Chancen, dass Emirates NBD weiterhin gigantische Renditen einfährt, stehen gut. Die Golfstaaten boomen. Und Pudner hat bereits weitere Schwellenländer im Visier. Er will Saudi-Arabien zu einem neuen Brückenkopf der Bank machen und in Indien, Singapur, der Türkei, Libyen und Algerien ein Filialnetz aufbauen.

Halb Stratege, halb Psychologe. Seine leitenden Mitarbeiter schätzen an Pudner, dass sie mit ihm ein drängendes Thema auch mal bei einem Abendessen oder einem Bier diskutieren können. Bei Firmenveranstaltungen steht der Chef allen Rede und Antwort. "Rick Pudner ist keiner, der sich nach fünf Minuten durch den Hinterausgang verdrückt", hört man bei Angestellten.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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