Emma Marcegaglia
Frau aus Stahl

Für Italiens Industrieverband Confindustria ist es eine kleine Revolution: Mit der Industriellen Emma Marcegaglia rückt erstmals eine Frau an die Spitze und wird damit Nummer eins der italienischen Wirtschaft. Heute will sie der mächtige Verband in Rom offiziell nominieren.

MAILAND. Als Kind hat sie einen Traum: Sie sieht sich einmal als Primaballerina auf einer großen Bühne.

Doch der Traum geht nicht in Erfüllung. Stattdessen landet Emma Marcegaglia ganz woanders: in der Stahlindustrie. Und am heutigen Donnerstag feiert sie keine Ballett-, sondern eine andere Premiere: Der Rat der Confindustria wird sie offiziell zur einzigen Kandidatin für den Vorsitz des mächtigen italienischen Industrieverbandes küren. Die elegante 42-Jährige präsentiert sich in Rom den Delegierten. Ihrer Nominierung auf der Hauptversammlung im Mai steht dann nichts mehr im Weg.

Emma Marcegaglia, die im Vorstand des familieneigenen Stahlunternehmens Marcegaglia mitmischt, soll bei der Confindustria niemand Geringeren ablösen als den Fiat-Präsidenten Luca Cordero di Montezemolo. Zum ersten Mal seit der Gründung im Jahr 1919 führt dann eine Frau den Verband, der in der italienischen Politik mitredet und so mächtig ist wie in Deutschland BDI und BDA zusammen.

„Ihre Nominierung ist eine kleine Revolution“, sagt der Generaldirektor des Wirtschafts- und Sozialforschungsinstituts Censis, Giuseppe Roma, über die Kandidatur von Emma Marcegaglia, „es zeigt, dass die Wirtschaft das Thema Frauen ernst nimmt“.

Aber nach einer Studie der Bocconi-Universität halten Frauen weniger als fünf Prozent der Vorstandsposten von börsennotierten Unternehmen in Italien. Ausnahmen sind meist Töchter von Unternehmern, die entweder keine Söhne haben oder ihren Söhnen den Job nicht zutrauen – wie Marina Berlusconi, Tochter von Silvio Berlusconis und Chefin des Fininvest-Imperiums.

„Das größte Hindernis der Frauen sind oft die Frauen selbst“, sagt Emma Marcegaglia. Zu häufig bremsten Ängste und traditionelle Rollenbilder die Unternehmerinnen. Sie rät deshalb, „es zu probieren, an sich zu glauben; auch wenn es schwer ist, es ist die Mühe wert“.

Dass die energische Frau die nötige Kompetenz für den Chefposten des Verbandes mitbringt, daran gibt es in Italiens Wirtschaft keine Zweifel. Das Wahlgremium hat bei seinen Vorgesprächen eine Zustimmung von 95 Prozent für Marcegaglia erhalten – ein Rekord. Deshalb gibt es ausnahmsweise keinen Gegenkandidaten. Zu den Befürwortern Marcegaglias gehören Größen wie die Nummer eins des Haushaltsgerätehersteller Indesit, Vittorio Merloni, und Fiat-Chef Sergio Marchionne. „Emma Marcegaglia ist sehr gut“, lobt Marchionne, „und auch wenn es an sich nicht wichtig ist, dass es eine Frau ist, so ist es doch ermutigend.“

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