Emotionale Verbindung
Auf der Retrowelle surfen

Nach 20 Jahren wurde die deutsche Traditionsmarke Möbus wieder zum Leben erweckt. Dieter Wahl, Enkel des Firmengründers, hat das angestaubte Image des Sportartikelherstellers aufpoliert.

DÜSSELDORF. In Sportschuhen von Möbus kämpften einst Leichtathleten bei den Olympischen Spielen in Berlin um Medaillen. 1936 war das. Später rannten in den Schuhen die Polizeisportstaffeln von Bayern und Baden-Württemberg um die Wette. Das war in den 70er-Jahren - und kurz bevor die alteingesessene deutsche Marke "Möbus" ein unrühmliches Ende fand und eingestellt wurde.

Doch heute sieht man die Schuhe mit dem M an der Seite wieder, als Sneaker, getragen von modisch gekleideten Männern in deutschen Großstädten. Drei junge Unternehmer, darunter der Enkel des Firmengründers, haben Möbus nach 20 Jahren wieder zum Leben erweckt und produzieren heute Freizeitschuhe für den deutschen, europäischen und japanischen Markt.

So wie sie haben in den vorigen Jahren viele deutsche Familienunternehmen alte Marken ausgebuddelt und ihnen neues Leben eingehaucht: Die Duisburger Hövelmann-Gruppe entstaubte Sinalco, Konkurrent Mineralbrunnen Überkingen-Teinach holte die Kultbrausen Afri-Cola und Bluna zurück ins Sortiment.

Alte Marken leben wieder auf, seit die so genannte Retrowelle läuft und Verbraucher gerne auf Bekanntes aus Kindheits- und Jugendtagen zurückgreifen. Dieser Trend ist gerade für Mittelständler eine Chance, viele von ihnen besitzen Traditionsmarken oder übernehmen sie. Jüngstes Beispiel: der Kauf der Kinderschuhmarke Elefanten durch die Einzelhandelskette Deichmann. Deren Chef Heinrich Deichmann baut darauf, dass Erwachsene und heutige Eltern sich an ihre "Elefanten-Zeit" erinnern: "Wir wollen diese Kunden nun zu uns holen", sagt er.

Bei Möbus hat dies schon funktioniert: Rund 35 000 Paar Schuhe verkaufte das Unternehmen im vergangenen Jahr. Viel mehr bereits, als Fritz Möbus, Großvater des Co-Gründers Dieter Wahl, in den 30er-Jahren vom selbst entworfenen Sportschuh an den Mann brachte. Der Sportler näht die ersten Schuhe 1924 für sich selbst und wird mit ihnen prompt Süddeutscher Meister im 200-Meter-Lauf. Davon angespornt, entwickelt Möbus im schwäbischen Crailsheim Kletterstiefel, Kegel-, Schlitt- und Fußballschuhe, die bei Sportlern gut ankommen.

Das blieb bis in die 70er-Jahre so. In dem Jahrzehnt erlebt die Marke ihren Höhepunkt und erobert hinter Adidas und Puma den dritten Platz im deutschen Sportschuhmarkt. Doch das Ende naht, als Kihachiro Onitsuka, Mitbegründer des japanischen Sportschuhherstellers Asics, auf der Suche nach einem Vertriebspartner nach Deutschland kommt und Möbus kauft. Eine Weile werden Möbus - und Asics-Schuhe nebeneinander produziert. 1982 jedoch schließen die Tore: Der Standort ist zu teuer, Möbus wird aufgegeben.

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