Ende der Ära Zumwinkel
Für Appel wird es ernst

Das neuerliche Stühlerücken im Vorstand der Deutschen Post kündet vom Ende der Ära Zumwinkel. Die Karten werden neu gemischt – und davon profitiert Vorstandsmitglied Frank Appel. An der Börse kommen die Veränderungen zumindest kurzfristig gut an.

DÜSSELDORF. Wenn Gruppenfotos gemacht werden, steht Frank Appel aus Gewohnheit meist in der letzten Reihe. Kein Wunder, die Längsten müssen immer dorthin – und Appel misst so um die zwei Meter. In solchen Momenten ruft Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel den 46-jährigen Neurobiologen schon einmal nach vorne, ins Zentrum des Bildes.

Nun ist der Post-Vorstand Appel, den die Medien bereits zum Kronprinzen Zumwinkels gekürt haben, auch dem Zentrum der Macht im Konzern ein Stück näher gerückt – ohne dass Zumwinkel ihn rufen musste. Denn im Vorstand gab es erneut ein Stühlerücken. Der massive Druck der Finanzmärkte sorgte für die Ablösung des Finanzchefs Edgar Ernst, 55, eines alten Weggefährten Zumwinkels. Ihn ersetzt Logistik-Vorstand John Allan, 59.

Die Karten werden neu gemischt – und davon profitiert Appel. Er bekommt die Sparte Logistik zusätzlich zur Verantwortung für internationales Briefgeschäft, Regulierungsmanagement und Betreuung der 100 größten Konzernkunden. Künftig verantwortet er damit über die Hälfte des Konzernumsatzes der Post von 60 Milliarden Euro.

Vielleicht wird es noch mehr. Denn Zumwinkels Vertrag läuft Ende 2008 aus, er zeigt bislang kein Interesse zu verlängern. Kritiker sehen nach 18 Jahren im Konzern sogar Anzeichen für Amtsmüdigkeit. Denn Zumwinkel, der sich auch als Telekom-Aufsichtsratschef nicht gerade mit Ruhm bekleckert, machte beim Austausch des Finanzvorstands keine gute Figur. Er zögerte und zauderte. Schlimmer noch: Erst vor einer Woche wurden Gerüchte um Ernsts Abgang als „blanker Unsinn“ zurückgewiesen. Doch der Finanzer fand keine Akzeptanz mehr bei Anlegern und Analysten, zumal die Post im November ein neues Kapitalmarktprogramm vorstellen will. An der Börse sackte die Post-Aktie ab, ohnehin kritisieren Analysten die Profitabilität des Konzerns. Ernst war verbrannt – ein neues Gesicht musste her.

Auch für sein Eingeständnis, in der Kapitalmarktkommunikation Fehler gemacht zu haben, nutzte Zumwinkel Anfang August nicht die große Bühne der Bilanzpressekonferenz. Dort machte er lieber Werbung für den Mindestlohn und die Mehrwertsteuer-Befreiung. Vielmehr gelobte er auf der nur von Spezialisten besuchten Analystenkonferenz Besserung und kündigte dort das neue Kapitalmarktprogramm an. Transparenz geht anders.

Nun soll Allan die Post-Aktie aus dem Feuer holen. Seine Berufung sei keine schlechte Entscheidung, meinen Branchenkenner. Nicht nur von seiner schottischen Herkunft her sollte er etwas von Geld verstehen. Allan war elf Jahre Vorstandschef namhafter britischer Firmen, zuletzt des Logistikers Exel, der Post-Neuerwerbung. Doch gilt er als Übergangskandidat. Im nächsten Jahr wird er 60, und sein Vorstandsvertrag läuft aus. Möglicherweise wird Allan noch einmal verlängern – aber eine Zukunft als Post-Chef? Eher unwahrscheinlich. Allan hatte bereits mehrfach angedeutet, sich Ende 2008, wenn sein Vertrag ausläuft, zurückzuziehen.

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