Ende einer Ära
Ein doppelter Abschied vom DSF

Beim DSF geht eine Ära zu Ende. Rainer Hüther, die Nummer eins des Sportkanals, der aus einem schon abgeschriebenen Fernsehobjekt eine Erfolgsstory gemacht hat, zieht sich zurück und konzentriert sich auf den Vorstandsjob beim Mutterhaus EM TV. Mit ihm geht auch Geschäftsführer Thomas Deissenberger.

MÜNCHEN. Das DSF ist ein kleiner Kanal, ohne dass ihm angesichts seiner bisherigen Programmstruktur – in der allerlei leicht oder gar nicht bekleidete Damen des Abends eine nicht unerhebliche Rolle spielen – dazu das Prädikat „fein“ gebührte.

Und doch ist es nicht übertrieben, das große Wort „Ära“ in den Mund zu nehmen, die nun beim DSF zu Ende geht. Denn Rainer Hüther, die Nummer eins des Sportkanals, hat bewiesen, wie man aus einem schon abgeschriebenen Fernsehobjekt auch in schwieriger Umgebung eine Erfolgsstory machen kann. Am gestrigen Dienstag hat Hüther ein Rekordergebnis verkündet: Unter dem Strich erzielte dass DSF 2006 bei einem Umsatz von 108 Millionen Euro ein Ergebnis von 11,5 Millionen. Diese Botschaft nahm Hüther zum Anlass, gleich noch eine Neuigkeit anzuhängen: Er zieht sich beim DSF zurück, konzentriert sich auf den Vorstandsjob beim Mutterhaus EM TV. Mit ihm geht auch Geschäftsführer Thomas Deissenberger, er macht einen Schnitt und verlässt die Gruppe. Alleiniger DSF-Geschäftsführer ist dann Oliver Reichert.

Mit Deissenberger hat Hüther das DSF geformt und geprägt. Dass aus all dem noch etwas geworden ist, hat auch damit zu tun, dass sich die beiden nach dem, was sie erlebt haben in den vergangenen Jahren, so schnell von nichts mehr erschüttern lassen. Hüther, 1963 in Darmstadt geboren, Betriebswirt, hat als Produktmanager in der Pharmaindustrie begonnen, ehe es ihn 1991 in die TV-Branche verschlug, zu RTL. 1993 dann der Wechsel in den Dunstkreis von Leo Kirch, als Verkaufsleiter für den noch jungen Sender Pro 7. Schon zwei Jahre später wechselt er zum DSF, dort erlebt er hautnah, wie aus der Kirch-Gruppe ein „Imperium“ und dann eine Pleitefirma wird.

Hüther bekommt fast alle Facetten mit, im März 2001 hat ihn Kirch zu der kriselnden Beteiligung EM.TV geschickt, bei der die Haffa-Brüder noch den Ton angeben. Hüther und EM.TV aber überleben die Fast-Pleite; später, aus der Kirch-Konkursmasse, kauft er das DSF. „Wir haben Haim Saban ausgestochen“, erzählte er am Dienstag, es war ein Stück Wehmut zu hören. Ohne ihn soll der Sender da weitermachen, wo er aufgehört hat: mit knappem Programmbudget und streng kalkulierten Produktionskosten. Und weil die vielen Nackerten den Sport zuletzt etwas in den Hintergrund zu drängen drohten, gab Hüther dem Sender auch noch ein Reinheitsgebot mit: In der Kernzeit soll es künftig nur noch Sport geben.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%