Endesa-Chef Manuel Pizarro
Von Gottes Gnaden

Es gibt zwei Dinge, an die Manuel Pizarro vor allem glaubt: Gott und sich selbst. Wem das zu böse klingt, der muss den Chef des größten spanischen Versorgers Endesa nur erleben.

HB MADRID. Zum Beispiel am vergangenen Montag, als Pizarro zum ersten Mal vor die Presse tritt seit dem feindlichen Übernahmeangebot durch den kleineren Konkurrenten Gas Natural vor zehn Tagen: „Seit dem Tag, an dem ich bei Endesa angefangen habe – übrigens dasselbe Datum, an dem in Fatima die Jungfrau Maria erschienen ist –, habe ich nur zum Vorteil der Firma gehandelt und nicht zu meinem eigenen“, brüllt er ins Mikro, sein Gesicht ist hochrot. Immer wieder hebt der schlanke, klein gewachsene 54-Jährige mit erhobenem Zeigefinger seine eigenen Qualitäten hervor.

Die meisten Journalisten sind von dieser hitzigen Vorstellung eines der einflussreichsten Männer des Landes peinlich berührt. Denn bis dato ist Pizarro in der spanischen Finanzwelt hoch angesehen. Allerdings ist auch bekannt, dass er dem Opus Dei nahe steht, jenem in Spanien gegründeten, erzkatholischen und streng konservativen Orden. Für diesen ist die korrekte Erledigung der täglichen Arbeit von enormer Bedeutung – nicht für das innere Gleichgewicht ihrer Sympathisanten, sondern auch für deren Stellung vor Gott und ihre Position in der Gesellschaft.

Anders als viele der spanischen Politiker, Unternehmer und Intellektuellen, die Opus Dei nahe stehen, scheint Pizarro jedoch derzeit weder seine Arbeit noch seine Gefühle im Griff zu haben – und noch weniger seine Rhetorik.

Deswegen scheint er eigentlich nicht geeignet als Doppelagent bei der Übernahmeschlacht um Endesa, für den viele ihn halten. Bei jeder Gelegenheit plärrt Pizarro zwar gegen die Fusion mit Gas Natural, kann jedoch als einziges Argument den niedrigen Preis von 21,3 Euro pro Aktie anbringen, den der Rivale für Endesa bieten will. „Eine konkrete Abwehrstrategie ergriff er erst, als er merkte, dass die Gegenseite den Preis nicht anhebt. Und auch das nur halbherzig“, meint Juan Ignacio Sanz, Börsenexperte bei der spanischen Businessschule Esade in Barcelona. Pizarro traf sich auch vor einigen Tagen mit den Gewerkschaften, die er aufhetzen wollte. Doch diese wiesen ihn kalt zurück: Sie wollen neutral bleiben.

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