Enel-Chef Fulvio Conti: Späte Rache

Enel-Chef Fulvio Conti
Späte Rache

Fulvio Conti, Chef des italienischen Stromkonzerns Enel, hat viel verpatzt und verpasst. Jetzt will er dem deutschen Konkurrenten Eon das Geschäft in Spanien vermiesen. Mit dem Kauf von einem zehnprozentigen Anteil an Endesa meldet sich Conti zurück im Übernahmepoker der europäischen Energiewirtschaft.

MAILAND. Kaum Pressekonferenzen, kaum Interviews, keine heißen Nachrichten. Seit vergangenem Sommer ist es auffällig still geworden um den stets elegant gekleideten Mann mit der perfekten Föhnfrisur, bei der kein Haar aus der Reihe tanzt. Klar: Fulvio Conti, der Chef des italienischen Energiekonzerns Enel, kauft ein paar Kraftwerke in Russland und in der Slowakei. Aber von den geplanten Mega-Mergern des Vorjahres ist keine Rede mehr.

Bis zum späten Dienstagabend. Da meldet sich der 59-Jährige überraschend zurück im Übernahmepoker der europäischen Energiewirtschaft. Enel habe knapp zehn Prozent der Aktien der spanischen Endesa gekauft, verkündet er. Das ist eine klare Kriegserklärung an den Düsseldorfer Konkurrenten Eon, der bereits eine Übernahmeofferte in Höhe von 41 Milliarden Euro für Endesa auf den Tisch gelegt hat. Unerklärtes Ziel von Conti ist es, auf einen Anteil von knapp 25 Prozent zu kommen. So will die Nummer vier in Europa mit anderen Aktionären das Übernahmeangebot der Nummer eins Eon blockieren – späte Genugtuung für verpatzte und verpasste Chancen.

Noch im vergangenen Frühjahr war Fulvio Conti für seine ungeschickte Verhandlungstaktik eher belächelt worden. Vor allem mit seiner Ankündigung, den französischen Suez-Konzern zu übernehmen, ohne dass er ein konkretes Angebot vorlegte, blamierte sich der Enel-Chef. Noch peinlicher: Das französische Unternehmen Gaz de France (GdF) nutzte die Information und preschte dann als erstes mit einem Übernahmeangebot für Suez vor. „Ich habe noch nie erlebt, dass ein Übernahmeangebot angekündigt wird, bevor es vorgelegt wird“, kritisierte Ex-Wirtschaftsminister Domenico Siniscalco das Vorgehen Contis – und sprach von schwerer Schuld.

Doch jetzt belächelt wohl niemand mehr den Enel-Chef. Vor allem den Beobachtern in Deutschland dürfte das Lachen vergangen sein. Er könnte Eon den Deal in Spanien vermiesen.

Diesmal ging Conti still und heimlich vor. Er kündigte den Aktienkauf erst an, nachdem er bereits vollzogen war. Ganz ohne Patzer. „Er hat dazugelernt. Jetzt kann man ihn auch wieder an die Öffentlichkeit lassen“, sagt ein Kommunikationsexperte. Für Conti wäre der Deal in Spanien eine späte Genugtuung. Denn vor mehr als einem Jahr war es der Eon-Konzern, der mit seinem Angebot für Endesa die Pläne der Italiener in Spanien durchkreuzte. Enel hatte damals gehofft, der spanische Konkurrent Gas Natural übernehme Endesa, und hatte auf Unternehmensteile spekuliert, welche die beiden aus Wettbewerbsgründen hätten abgeben müssen.

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