Energiebörse
Bernd Menzel: Ständig unter Strom

Als Chef der Leipziger Energiebörse leitet Bernd Menzel den komplexen Handel von Strom, Gas, Kohle und Klimazertifikaten. Und das sehr erfolgreich: Der studierter Sprachwissenschaftler will expandieren und sein Handelshaus zum Zentrum eines paneuropäischen Energiebörsen-Netzwerks machen.

FRANKFURT. Einmal tief durchatmen. Hans-Bernd Menzel blickt aus dem Fenster im 23. Stock des "Weisheitszahns", wie die Leipziger ihr markantes Bürohochhaus im Zentrum der Stadt halb liebevoll, halb schmerzvoll nennen. Menzel liebt die Natur, die leuchtend grünen Parkanlagen um ihn herum. Dann setzt er sich, nimmt sein Gegenüber ins Visier und gibt die Marschrichtung vor: "Kein Brimborium um mich, bitte", sagt der seit November 2002 amtierende Vorstandschef der European Energy Exchange (EEX), eher bekannt unter dem Namen: Strombörse.

Also gut. Soll er reden. Studierter Sprachwissenschaftler ist er schließlich. Heute berichtet er über einen weiteren Baustein seiner Europa-Strategie. Das Clearinghaus der Leipziger Strombörse hat in Luxemburg eine Tochtergesellschaft gegründet, mit der sich Steuern sparen lassen. "Wir mussten Mehrwertsteuerbeträge in Millionenhöhe vorfinanzieren. Die jetzige Lösung ist für die Börse überlebenswichtig", meint Menzel.

Er sagt das an einem Tag, an dem Deutschland und die OECD mit Steueroasen wie beispielsweise Luxemburg über deren Tun verhandeln. Er weiß das natürlich. "Ich habe den Wunsch nach einer Lösung dieser Steuerproblematik auch auf die Weihnachtskarte an Herrn Steinbrück geschrieben", sagt er. Und? Wie hat der Bundesfinanzminister reagiert? Menzel deutet ein Lächeln an. Der Gang nach Luxemburg, beugt er eventuellen Missverständnissen vor, sei mit den Finanzbehörden auf Bundesebene und kommunaler Ebene abgestimmt,

Der engagierte Hobby-Fotograf will es bei seinen Expansionsplänen allerdings nicht mit dem kleinen Herzogtum Luxemburg bewenden lassen. Der ehemalige Uno-Dozent besitzt das, was eine "Vision" heißen könnte - wenn dieses Wort in Krisenzeiten, in denen sich jeder auf seine Wurzeln besinnt, nicht eher verpönt wäre: Er möchte ein paneuropäisches Energiebörsen-Netzwerk schaffen. Seine nächsten Schritte sollen ihn nach Österreich und Russland führen, wo er Kooperationen mit Partnern vor Ort abschließen will.

Ausdauer und Beharrlichkeit sind Markenzeichen des passionierten Mountainbikers. "Kaum jemand hat uns die Börsenkooperation mit den Franzosen zugetraut", stellt er fest. Im vergangenen Jahr hatte die EEX unter seiner Ägide gemeinsam mit dem Top-Management der französischen Powernext in Paris die European Power Exchange (Epex) für den Energie-Kassahandel gegründet und gleichzeitig das Termingeschäft beider Börse in Leipzig konzentriert.

Natürlich ohne Brimborium. Andere schätzen seine Leistungen dafür umso mehr. "Es ist der geraden Linie Menzels zu verdanken, dass die EEX in Europas Energiehandel in der ersten Liga ganz oben mitspielt", sagt Helmut Sendner vom Fachblatt Energie & Management, das Menzel 2007 zum Energie-Manager des Jahres kürte.

Dass der Börsenhandel von Strom, Gas, Kohle und Klimazertifikaten komplex ist, wissen jene, die sich damit intensiv beschäftigen. Menzel hat dies früh erkannt und die Wertschöpfungskette der Börse vom Spot- und Terminhandel über das Clearing bis hin zu Beteiligungen an der Energiespeicherung, dem Energietransport und dem Leitungsnetz ausgeweitet. Zum Nutzen des Kunden? Menzel glaubt schon. "Strom ist in Deutschland billiger als im Ausland", nimmt er Kritikern schnell den Wind aus den Segeln.

Der Frage, ob er stolz auf das Erreichte sei, weicht er aus. "Meine Frau ist stolz auf mich, sagt er. "Und das ist mir viel wert"

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