Energiekonzern
EnBW sucht neue Führung und neue Linie

Hans-Peter Villis gilt als Favorit für die Nachfolge von Utz Claassen. Die Personalie ist aber nur eine Komponente im Machtkampf der Großaktionäre, der Electricité de France und dem kommunalen Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke.

STUTTGART / DÜSSELDORF. Aufsichtsratssitzungen bei der Energie Baden-Württemberg (EnBW) dauern selbst in ruhigen Zeiten bis in den späten Abend. Und bei ihrem heutigen Treffen haben die obersten Kontrolleure mehr Gesprächsstoff denn je. Seit EnBW-Chef Utz Claassen vor zwei Wochen ankündigte, seinen im kommenden Jahr auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, wird beim drittgrößten deutschen Energieversorger um die künftigen Machtverhältnisse gerangelt.

Es geht nicht nur um die Claassen-Nachfolge. Auch Personalvorstand Bernhard Beck und Finanzchef Christian Holzherr warten seit Monaten darauf, dass ihre noch in diesem Jahr auslaufenden Verträge verlängert werden. Der Posten des Technik-Vorstands ist seit dem Ausscheiden von Thomas Hartkopf im Februar unbesetzt. Und an ein Verbleiben von Vertriebschef und Claassen-Intimus Detlef Schmidt glaubt in Karlsruhe kaum jemand. Also steht nur Chief Operation Officer Pierre Lederer als Mitglied der künftigen Führungsmannschaft sicher fest. Bei der Neubesetzung des Vorstands wird es schon höherer Arithmetik bedürfen, die Interessen der beiden Großaktionäre, der Electricité de France (EdF) und des kommunalen Zweckverbands Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW), auszutarieren. Die EdF möchte bei den Personalien ihren Einfluss ausbauen, die OEW hält verständlicherweise dagegen.

Zumindest der Favorit für die Claassen-Nachfolge, Hans-Peter Villis, scheint für beide Parteien akzeptabel. Der 49-jährige Finanzchef der schwedischen Eon-Tochter hat sich bei der EdF, den OEW-Landräten und den Arbeitnehmervertretern vorgestellt – und dabei offenbar durchweg einen guten Eindruck gemacht. Sowohl EdF und OEW betonten aber anschließend demonstrativ, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Wegen des Gesamtpakets, das geschnürt werden soll, halten es Kenner des Unternehmens durchaus für möglich, dass die Entscheidung vertagt werden könnte.

Die Personalie Villis zeigt aber zumindest, dass EnBW offensichtlich keinen Mann aus der ersten Reihe der Energiewirtschaft für den Job gewinnen kann. Die schwierige Konstellation der Eigentümer mag potente Interessenten abschrecken. Große Strategien lassen sich gegen die Konzernräson der Franzosen nicht entwickeln. Gleichzeitig muss ein EnBW-Chef immer Rücksicht auf die vielfältigen Interessen der aus oberschwäbischen Landräten bestehenden OEW nehmen.

Villis wird zumindest dieses Geschick zugetraut, hatte er doch vor seinem Wechsel nach Schweden aus kommunalen Versorgern in Herford, Hameln und Paderborn Eon Westfalen Weser geformt. Und bei der anstehenden Privatisierung von Stadtwerken kommt es vor allem auf Diplomatie an, wenn die EnBW ihre wichtigste Wachstumschance besser nutzen will als zuletzt unter Claassen.

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