England und die USA haben ihre eigenen Standards
Bewerben im Ausland will gelernt sein

Wer sich in den USA oder Großbritannien um eine Stelle bewirbt, sollte sich hüten, eine deutsche Musterbewerbung eins zu eins ins Englische zu übersetzen.

MÜNCHEN. Viele Wege führen über den Großen Teich – oder über den Ärmelkanal. Wer eine Stelle im angelsächsischen Raum sucht, kann sich zum Beispiel an die Auslandsabteilung der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn oder die internationale Studentenvereinigung Aiesec wenden. Weitere gute Adressen sind international tätige Personalberatungen oder die Jobbörsen im Internet.

Die erste und höchste Hürde, die jeder Bewerber nehmen muss, ist die schriftliche Bewerbung. Für die Zusammenstellung der Mappe gelten im angelsächsischen Raum ähnliche Regeln wie in Deutschland. Zuoberst liegt das persönliche Anschreiben, der covering letter. Gutes Papier, eine schnörkellose, nicht zu kleine Schrift, ein klarer optischer Aufbau verstehen sich von selbst.

Die Anrede erfolgt stets mit dem Namen, wobei im britischen Englisch (BE) nach Mr, Ms, Mrs und Dr üblicherweise kein Punkt steht, wohl aber im amerikanischen Englisch (AE). Ms lässt den Familienstand offen, während Mrs ausdrücklich die verheiratete und Miss die unverheiratete Frau meint. Falls der Name nicht bekannt ist, schreibt man Dear Madam or Sir. Dagegen klingt Dear Sirs oder Gentlemen altmodisch – mancher könnte sogar sagen, sexistisch.

Gliederung: Gewusst wie

Der Betreff wird mit Ref: Required Position... angegeben. Im ersten Drittel des Anschreibens stellt sich der Bewerber vor, er entwirft sein Persönlichkeitsprofil und nennt die angestrebte Position. Betont werden sollten die transferable skills, also „weiche“ Qualifikationen wie Führungsqualität, Teamgeist oder Erfahrungen im Umgang mit schwierigen Kunden.

Im zweiten Drittel erklärt der Bewerber, warum er an besagter Stelle interessiert ist. Es empfiehlt sich, sich vorher über die Geschichte und die Pläne des Unternehmens zu informieren und diese Kenntnisse im Anschreiben durchscheinen zu lassen. Wer auf eine Stellenanzeige antwortet, geht auf alle darin genannten Anforderungen ein. Im letzten Drittel des Anschreibens bekräftigt der Bewerber sein Interesse und dass er die ideale Besetzung für die Stelle ist.

Das Anschreiben schließt zugleich freundlich und optimistisch I look forward to hearing from you. Die Grußformel wird entsprechend der Anrede gewählt: Zu Dear Madam or Sir passt Yours faithfully (BE). Wurde der Adressat mit Namen angesprochen, bietet sich Yours sincerely (BE) oder Sincerely (yours) (AE) an.

Unverzichtbarer Bestandteil der Bewerbung: der Lebenslauf

Anders als in Deutschland wird der Bewerbung nur auf ausdrücklichen Wunsch ein Foto beigefügt. Unverzichtbar ist dagegen hier wie dort der Lebenslauf. Der Engländer kennt ihn als curriculum vitae (BE), was die gängige Abkürzung CV erklärt, der Amerikaner als résumé (AE).

Die geläufigste Form ist heute der tabellarische Lebenslauf, der höchstens zwei Seiten umfassen sollte. Er besteht aus Personenangaben (personal details), dem persönlichen Profil (profile), Hauptexpertisen (core skills), wichtigen Leistungen (main achievements) sowie Angaben zu Ausbildung (education) und Berufserfahrung (employment history). Arbeitszeugnisse werden als testimonials (BE) oder recommendations (AE) beigelegt.

Seit zwei, drei Jahren gewinnt die Bewerbung per E-Mail immer mehr an Bedeutung. Viele Unternehmen bieten hierfür Online-Formulare an, die überwiegend nach dem Multiple-Choice-Verfahren ausgefüllt werden – was man als to tick (BE) oder to check (AE) bezeichnet. Meist ist ein Textfeld für eine Kurzfassung des Lebenslaufs vorgesehen.

US-Unternehmen ziehen das persönliche Gespräch der E-Mail vor

Gerade in den USA ziehen Unternehmen jedoch das persönliche Gespräch der E-Mail vor. Jobsucher können direkt im Human Resources Department oder Graduate Recruitment Department anrufen und sich nach offenen Stellen oder dem Stand des Auswahlverfahrens erkundigen.

Mit etwas Glück löst die schriftliche Bewerbung eine Einladung zum Vorstellungsgespräch aus. Mit der Einladung verschicken viele Unternehmen einen Personalbogen, der auszufüllen und umgehend zurückzusenden ist, oder sie vereinbaren ein Telefoninterview. Der Personalverantwortliche kann so seinen ersten, noch recht flüchtigen Eindruck vom Bewerber vertiefen. Und der Bewerber hat die Chance zu prüfen, ob der Aufwand eines persönlichen Gesprächs, womöglich eines mehrtägigen Assessment Centers wirklich lohnt.

Nicht-Muttersprachler müssen sich sorgfältig auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten. Es hilft zum Beispiel, Antworten auf mögliche Fragen zu skizzieren und so sprachliche Schnitzer zu vermeiden: Warum interessieren Sie sich ausgerechnet für diese Stelle? Wie wollen Sie ganz persönlich zum Erfolg des Unternehmens beitragen? Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen? Warum wollen Sie ihr derzeitiges Unternehmen verlassen?

In der Regel erhält der Bewerber auch Gelegenheit, seinerseits Fragen zu stellen, zum Beispiel zu den Beschäftigungsbedingungen. Wie gestaltet sich die Arbeitswoche? Eine working week (BE) oder workweek (AE) kann vier, fünf oder auch sechs Arbeitstage haben. Wie sieht es mit Urlaub, holiday (BE) oder vacation (AE), aus? Wann ist mit einer Gehaltserhöhung, rise (BE) oder raise (AE), zu rechnen?

Auch im Vorstellungsgespräch lauern die "falschen Freunde"

Die Höhe der Beiträge zur Sozialversicherung, national insurance contributions (BE) oder social security contributions (AE), und die Höhe der Einkommenssteuer, pay-as-you-earn (BE) oder pay-as-you-go (AE), sind nicht unbedingt ein Thema für das Vorstellungsgespräch. Wohl aber die Frage, ob das Unternehmen zusätzlich zur staatlichen Sozialversicherung eine betriebliche Altersversorgung, pension scheme (BE) oder pension plan (AE), anbietet.

Auch im Vorstellungsgespräch lauern die berühmten „falschen Freunde“, Vokabeln und Redewendungen, die man eins zu eins und leider falsch aus dem Deutschen überträgt. So hat die deutsche Expertise nichts mit dem englischen expertise (BE und AE) zu tun, ebensowenig das deutsche Personal mit dem englischen personal (BE und AE). Die Belegschaft eines Unternehmens heißt schließlich personnel oder staff.

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