Enrico Bondi
Super-Bondi rettet die Milch

Ein Chemiker ist Italiens Nummer eins in Sachen Unternehmenssanierung: Enrico Bondi, Insolvenzverwalter des Skandalkonzerns Parmalat.

MAILAND. Auf dem eingefallenen Gesicht von Enrico Bondi macht sich ein Lächeln breit. Der in letzter Zeit stets düster dreinblickende Insolvenzverwalter des Skandalkonzerns Parmalat kann seine Freude kaum verstecken. Hinter ihm leuchtet der Aktienkurs auf der Leinwand auf: Es ist die Aktie des italienischen Lebensmittelkonzerns, der vergangenen Donnerstag erfolgreich an die Börse zurückgekehrt ist. Und zu verdanken hat Parmalat das vor allem Bondi. Ein verspätetes Geburtstagsgeschenk für den Manager, der am Tag zuvor 71 Jahre alt geworden ist. 2003 schien der Konzern am Ende. Mit Hilfe von internationalen Banken hatten seine Manager ein weit reichendes Netz von Scheinfirmen und Finanzvehikeln aufgebaut, um die 14 Milliarden Euro Schulden zu vertuschen.

Bondi arbeitete sich durch das verschachtelte System Parmalat und stellte das Unternehmen auf neue Beine. „Wir wussten oft nicht, wo wir anfangen sollten“, sagt der 71-Jährige mit der jung gebliebenen Stimme. Seit Dezember 2004 hat er ganze Geschäftsbereiche geschlossen, Parmalat aus verschiedenen Märkten zurückgezogen und das Unternehmen auf das Kerngeschäft mit Lebensmitteln konzentriert. Aber vor allem hat er gegen die Banken gekämpft.

Ohne jede Scheu stellt Bondi Mil-liardenforderungen gegen das Who’s who der internationalen Finanzwelt. Der jüngste Coup in der vergangenen Woche: eine Forderung über mehr als sieben Milliarden Euro gegen CSFB, die Investmentbanktochter der Credit Suisse. Auch Deutsche Bank, UBS und Citigroup stehen auf seiner Liste. Insgesamt verlangt Bondi mehr als 40 Milliarden Euro von Banken und Wirtschaftsprüfern. Er ist überzeugt, dass die Banken von den Problemen Parmalats gewusst haben und trotzdem Anleihen bei den Investoren platziert und andere Dienstleistungen geboten haben.

Mit seinen Klagen hat Bondi bewiesen, dass er sich niemand verpflichtet fühlt: Immerhin waren es die Banken als größte Gläubiger, die ihn an Bord geholt haben. In einigen Fällen wirft er den Geldhäusern vor, aktiv geholfen zu haben, die Bilanzen zu fälschen. Kein Wunder, dass Bondis Dank sich auch an die Staatsanwälte in Parma richtet, die einen Prozess wegen Bilanzfälschung vorbereiten: „Das Gericht in Parma hat Unglaubliches vollbracht“, lobt er die Arbeit der Staatsanwälte.

Dass die Arbeit des vergangenen Jahres nicht leicht war, sieht man dem hageren Mann mit den eingefallenen Wangen an. Aber Bondi, der seinem Alter und seiner Arbeit zum Trotz seinen geraden Gang bewahrt hat, scheint eine Schwäche für schwierige Fälle zu haben: Vor zehn Jahren überträgt ihm Enrico Cuccia, der Chef der einflussreichen Invest-mentbank Mediobanca, die Rettung des Agrochemie-Konzerns Montedison.

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