Enron & Co.
Wie der Kollege zum Milliardenbetrüger wird

Enron, Worldcom oder die Barings Bank sind Beispiele dafür, wie Manager durch Gier und Betrug ganze Konzerne in den Ruin getrieben haben. Doch warum wird ein Manager zum Übeltäter? Welche Helfer braucht er dafür und wie schafft er es, Zweifler zum Schweigen zu bringen? Kanadische Forscher sind der Frage nachgegangen und haben ein Zwölf-Stufen-Modell entwickelt, wie Wirtschaftskriminalität typischerweise abläuft.
  • 1

DÜSSELDORF. Allmählich wird Betty Vinson für ihre Vorgesetzten zum Problem. Immer sperriger wird die Spitzenkraft aus der Buchhaltung des US-Telefongiganten Worldcom. Sie wundert sich, leise zunächst, dann lauter, dass sie immer häufiger bei den Buchungen pfuschen soll. Als sie schließlich eines Tages aus mehr als 800 Millionen Dollar Minus ein Plus zaubern soll, kann sie nicht mehr an sich halten. Sie schimpft über „falsche Bilanzierung“ und kündigt frustriert an, ihren Job hinzuschmeißen.

Die Chefs sind alarmiert, Betty Vinson ist nun ein Sicherheitsrisiko. Einer versucht es mit militärischen Durchhalteparolen. „Stellen Sie sich mal vor, wir sind ein Flugzeugträger und haben noch Maschinen in der Luft“, sagt er zu ihr. „Wenn die Jets gelandet sind, und Sie dann immer noch gehen wollen, gehen Sie. Aber nicht, solange noch welche in der Luft sind.“ Kameraden im Feld lässt man nicht im Stich.

Damit kommt der Chef tatsächlich durch: Betty Vinson wird nicht fahnenflüchtig, sie schluckt ihre Zweifel herunter und bleibt. Eine fatale Fehlentscheidung: Immer dreister werden jetzt die Forderungen ihrer Chefs, immer abenteuerlicher die Luftbuchungen, die sie vornehmen muss. Der Zeitpunkt, an dem noch alles umkehrbar gewesen wäre – vorbei.

Im Jahr 2005 verurteilt ein Gericht in New York Betty Vinson zu fünf Monaten Gefängnis und weiteren fünf Monaten Hausarrest – als Mittäterin in einem der größten Wirtschaftsskandale aller Zeiten. Zuvor war Worldcom unter Bilanzmanipulationen in Höhe von elf Milliarden Dollar zusammengebrochen, das halbe Topmanagement wanderte ins Gefängnis.

Ruth McKay kennt viele Geschichten wie die von Betty Vinson. „Widerwillige Teilnehmer“ nennt die Management-Professorin von der Sprott School of Business im kanadischen Ottawa Leute wie die ehemalige Worldcom-Buchhalterin. Gemeinsam mit den Psychologen Carey Stevens und Joe Fratzl hat McKay erforscht, wie ein Wirtschaftsverbrechen typischerweise abläuft. Die spektakulärsten Kriminalfälle – von Worldcom über Enron bis zu Nick Leeson und die Barings Bank – haben die Forscher für ihre Studie unter die Lupe genommen und mit gut 100 Delinquenten gesprochen.

Heraus kam ein Zwölf-Stufen-Modell*, das den Weg eines Täters in Nadelstreifen beschreibt. Es beginnt mit den ungeahnten Möglichkeiten, mit denen ein neu ins Amt gesetzter Chef charakterliche Defizite wettzumachen versucht. Es erzählt, wie die Bereicherung irgendwann zur Sucht wird und die Dosis immer höher werden muss. Bis am Ende alles zusammenbricht.

* Ruth McKay, Carey Stevens, Jae Fratzl: „A 12-step process of white-collar-crime“. Veröffentlicht in “International Journal of Business Governance and Ethics”

Seite 1:

Wie der Kollege zum Milliardenbetrüger wird

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Kommentare zu " Enron & Co.: Wie der Kollege zum Milliardenbetrüger wird"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Guten Tag,.......ich bitte mir nachzusehen dass ich eine etwas andere Einstellung zu dem Ganzen habe. Wenn Sie jeden Tag waehrend Jahrzehnten zusehen dass das Ganze nur aus Lug und betrug besteht; mein Gott ist es dann so Schlimm dasselbe zu tun. ich habe erlebt dass ehrliche Leute die ihren Job ehrenhaft verrichtet haben von Schweinen beurteilt und auf uebelste Weise gemobbt wurden. Eine bank ist eine organierte Vereinigung von Gaunern. Jedoch wird die Sache ganz anders wenn es ploetzlich eine bank in der bank gibt, und wenn die Direktoren duemmer sind als ihre Fuesse; dann; ja nur dann kann es passieren dass die jahrelang unterdrueckten die Schnautze so voll haben dass sie ein Riesending drehen. ich versichere ihnen dass der Vorsitzende Monsieur bouton noch heute nicht begriffen hat was in seiner bank wirklich passiert war. Wie sollte er auch, er hatte vom bankgeschaeft wie 99 % der Oberen von Tuten und blasen keine Ahnung. So laeuft der Hase, genau so. Dazu brauchen Sie keine Psychater zu bemuehen, fragen Sie einfach einen langjaehrigen bankangestellten.Wenn moeglich keinen Gewerkschaftler; denn die sind alle gekauft oder gemietet. besten Dank

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%