Entführungsexperten brauchen einen kühlen Kopf
Manager im Ausland leben gefährlich

In wie vielen Wohnzimmern Mark Harris mit den Angehörigen hochrangiger Manager angstvolle Nächte durchlebt hat, weiß er nicht mehr. "Aber gelohnt hat es sich immer", erzählt der groß gewachsene Brite mit dem grau melierten Haar. Dann schweigt er fast eine Minute lang und blickt mit seinen wachen braunen Augen nicht mehr das Gegenüber an, sondern starrt ins Leere.

Solche Blößen gibt sich der 42-Jährige selten. Emotionen bedeuten Unaufmerksamkeit und Schwäche, und das hat in seiner Branche viel zu ernste Folgen. Head of Crisis Management - übersetzt: Kopf der Abteilung Krisenmanagement - lautet der Jobtitel auf der Visitenkarte seines Arbeitgebers, dem Sicherheitsberatungsunternehmen Control Risks aus London.

Harris wichtigste Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Opfer unbeschadet wieder frei kommen, wenn Kidnapper ausländische Geschäftsleute irgendwo auf der Welt in ihre Gewalt gebracht haben. Das ist seine Stärke. In 70 Entführungsfällen wurde Harris bislang von Unternehmen zur Hilfe gerufen. Und alle 70 Manager hat er auch unbeschadet wieder frei bekommen - egal, ob kolumbianische Guerilleros oder mexikanische Banditen sie gekidnappt hatten.

Seine Fähigkeit, auch unter extremem Stress kühl alle Optionen abzuwägen, seine Zähigkeit und sein Verhandlungsgeschick haben ihm den Ruf eingetragen, der schlimmste Feind der "Kidnapping-Industrie" zu sein. "In vielen armen Ländern hat sich das Entführen - vorzugsweise von europäischen und US-amerikanischen Managern - zu einem regelrechten Wirtschaftszweig entwickelt", erklärt er den Begriff. Es ist eine schmutzige Branche, in der allein in Kolumbien zwischen jährlich 500 und 600 Millionen Dollar umgesetzt werden. Mit 15 000 Geiselnahmen in den letzten sechs Jahre ist das Land trauriger Spitzenreiter in Sachen Kidnapping.

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