Entschädigungs- oder Bonuszahlung sei nie verhandelt worden Gent: Esser wollte Position bei Vodafone

Neues im Mannesmann-Prozess: Ex-Vodafone-Chef Chris Gent hat dem früheren Düsseldorfer Konzernchef Klaus Esser in einem wichtigen Punkt widersprochen.
Ex-Vodafone-Chef Chris Gent. Foto: dpa

Ex-Vodafone-Chef Chris Gent. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. Gent sagte am Donnerstag vor dem Düsseldorfer Landgericht, Esser habe in Gesprächen mit ihm mehrfach darauf gedrungen, eine führende Position im künftig fusionierten Unternehmen einzunehmen. "Esser wollte Co-Chef werden", sagte Gent. Er selbst habe das aber abgelehnt. Esser hatte in seinen Aussagen stets bestritten, während der Übernahmeschlacht vor vier Jahren selbst eine Führungsposition im neu zu bildenden Konzern angestrebt zu haben.

Er habe Esser damals lediglich angeboten, die Leitung von Mannesmann-Atecs zu übernehmen oder aber bei Vodafone ein Co-CEO ohne Geschäftsführungsfunktion zu werden. Dies habe Esser abgelehnt. Zu weiteren Zugeständnissen sei er angesichts des Verlaufs der Übernahmeschlacht aber nicht bereit gewesen, führte Gent aus. Laut Gent hat Esser auch versucht, fünf weitere Managerposten bei Vodafone für Vorstandsmitglieder von Mannesmann auszuhandeln. Das Thema einer Entschädigungs- oder Bonuszahlung habe er jedoch nie mit Esser verhandelt, sagte Gent.

Diesbezüglich sei aber der Hutchison-Manager Canning Fok an ihn herangetreten. Esser habe vor allem dafür gekämpft, dass die Mannesmann-Aktionäre einen möglichst hohen Anteil am fusionierten Konzern erhalten sollten, sagte Gent weiter. Allerdings habe Esser den für die Übernahmeschlacht entscheidenden Schwenk des französischen Konzerns Vivendi wohl selbst verschuldet, weil er in den Kooperationsverhandlungen mit den Franzosen im letzten Moment noch die Bedingungen zugunsten Mannesmanns habe ändern wollen. Esser hatte zuvor ausgesagt, dass die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone nicht mehr zu verhindern gewesen sei, nachdem Vivendi sich für eine Zusammenarbeit mit Vodafone entschieden habe.

Gent fügte jedoch hinzu, dass Esser sich während der gesamten Übernahmeschlacht sehr professionell verhalten habe, obwohl er unter einem großen Druck gestanden habe. Die strafrechtlichen Vorwürfe gegen Esser bezeichnete Gent erneut als nicht gerechtfertigt.

Esser habe zudem bei einem Treffen am 30. Januar 2000 angedeutet, das Mannesmann-Management sei bereit, ein Geschäft mit Vodafone abzuschließen, ergänzte Gent. Für ihn sei das aber nicht akzeptabel gewesen. Der britische Telekomriese Vodafone hatte den traditionsreichen Mannesmann-Konzern Anfang 2000 nach einem monatelangen Übernahmekampf übernommen.

Das Landgericht Düsseldorf verhandelt seit Januar gegen insgesamt sechs Mannesmann-Manager wegen des Vorwurfs der schweren Untreue oder Beihilfe dazu. Angeklagt ist unter anderem der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, der damals im Aufsichtsrat saß. Zudem müssen sich weitere Mitglieder des Kontrollgremiums und Ex-Chef Esser vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft sieht die gezahlten Abfindungen und Boni im Gesamtvolumen von rund 60 Mill. Euro als ungerechtfertigt und überzogen an. Esser allein hatte ein Paket von rund 30 Mill. Euro kassiert.

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