Eon-Chef Teyssen: „Staat wird Gewinne abschöpfen“

Eon-Chef Teyssen
„Staat wird Gewinne abschöpfen“

Die von der Bundesregierung beschlossene Revision des Atomausstiegs hinterlässt eine Gruppe als klaren Gewinner: die Energieversorger. Doch für die Konzerne bedeutet eine Laufzeitverlängerung nicht automatisch mehr Geld. Eon-Chef Teyssen erklärt, was nun auf die Unternehmen zukommt.
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Handelsblatt: Herr Teyssen, die Bundesregierung hat eine Revision des Atomausstiegs beschlossen. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Teyssen: Der beschlossene Kompromiss schafft Klarheit. Das begrüßen wir im Grundsatz. Endlich hat der erste Pfeiler der neuen Energiebrücke klare Konturen. Jetzt gilt es, an den weiteren Teilen der Brücke zu bauen. Der Kompromiss bedeutet aber auch erhebliche Belastungen für unser Unternehmen, deren konkrete Auswirkungen wir derzeit prüfen.

Längere Laufzeiten bedeuten zusätzliche Gewinne. Was bedeutet der Beschluss für Eon finanziell?

Der Staat wird den ganz überwiegenden Teil der zusätzlichen Gewinne abschöpfen. Während ursprünglich vorgesehen war, rund die Hälfte abzuführen, ist es jetzt deutlich mehr geworden. Das ist für uns eine erhebliche Belastung. Was das für unser unternehmerisches Handeln konkret bedeutet, lässt sich aber noch nicht sagen.

Gleichzeitig müssen Sie Steuern und Abgaben bezahlen und in die Sicherheit investieren. Werden Sie noch jeden Reaktor weiter betreiben können?

Wir müssen jetzt rechnen, für jede Anlage gesondert. Das wird etwas Zeit in Anspruch nehmen. Zu Konsequenzen für einzelne Kraftwerke lässt sich daher derzeit noch nichts abschließend sagen. Wir gehen aber davon aus, dass alle Anlagen weiter betrieben werden können.

Der Beschluss nimmt aber auch den Druck, in neue Kraftwerke zu investieren. Wird Eon das Tempo drosseln?

Im Gegenteil. Der beschlossene Kompromiss stellt eine enorme Herausforderung dar. Für eine stabile Brücke in die Energiezukunft hätten wir eine längere Laufzeit um mindestens 15 Jahre gebraucht. Alle Beteiligten müssen sich daher jetzt zusätzlich anstrengen, um die entstandene Lücke zu schließen. Das gilt auch für den Bau neuer Kraftwerke. E.ON ist übrigens schon heute einer der weltweit größten Betreiber von Enerneuerbaren Energien. Beim Bau von Offshore-Windenergieanlagen sind wir sogar Weltmarktführer. Selbstverständlich setzen wir unsere Anstrengungen fort. Dabei verfolgen wir das Ziel, den CO2-Ausstoß unserer Stromerzeugung je Kilowattstunde bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent zu reduzieren.

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