Eon-Chef Wulf Bernotat
Bernotats große Stunde

Wulf Bernotat ist es gewohnt, seine Ansprüche klar zu formulieren. „Unser Ziel ist es, aus Eon den führenden Energiekonzern der Welt zu machen“, kündigte er bei der Bilanzvorlage im Frühjahr 2004 an. Nur zwei Jahre später schickt der Eon-Chef sich an, das Versprechen einzulösen.

DÜSSELDORF. Sollte die Übernahme des spanischen Konkurrenten Endesa gelingen, wird der 57-Jährige Chef des größten und – gemessen an der Börsenkapitalisierung – wertvollsten Energiekonzerns der Welt.

Bernotats knapp 30 Milliarden Euro teure Expansion nach Spanien hat die Finanzmärkte überrascht. Zwar hatte er schon Anfang 2005 wieder größere Zukäufe ins Auge gefasst – allerdings nicht um jeden Preis: Der britische Versorger Scottish Power, den Eon im Herbst 2005 für 16,5 Milliarden Euro hätte kaufen können, war ihm zu teuer. Bernotat behielt kühlen Kopf und widerstand der Versuchung, die 15 Milliarden Euro aus der Konzernkasse mit vollen Händen auszugeben. Geduldig wartete er auf seine nächste Chance.

Enge Mitarbeiter in der Düsseldorfer Konzernzentrale beschreiben ihren Chef als nüchternen Rechner und Sparfuchs – Eigenschaften, die er auch in Zukunft gut gebrauchen kann. Als der promovierte Jurist im Mai 2003 die Nachfolge von Ulrich Hartmann antrat, verordnete er dem Konzern eine Atempause. Eon sollte zunächst die teuren Zukäufe – den größten deutschen Gashändler Ruhrgas und den britischen Versorger Powergen – verdauen, um Kraft zu schöpfen für neue Wachstumsschritte. Dafür wirkte Bernotat umso mehr im Inneren: Der kapitalmarktorientierte Manager gab dem Unternehmen eine klare Führungsstruktur und führte die einzelnen Sparten mit scharfen Renditezielen.

Außerdem trennte er sich konsequent von Randaktivitäten: Nachdem er Anfang 2005 die Immobiliengesellschaft Viterra für sieben Milliarden Euro an einen Finanzinvestor verkauft hat, reicht Bernotat nun die Minderheitsbeteiligung am Spezialchemiehersteller Degussa für 2,8 Milliarden Euro an den Essener Mischkonzern RAG weiter. Damit ist Eon ein lupenreiner Versorger, was Analysten und Investoren entzückt.

Einen „Angestellten im Dienst des Profits“ nennt ihn ein altgedienter Konzernmanager, der schon für das Vorläuferunternehmen Veba tätig war. Bernotat, ein mittelgroßer, grauhaariger, etwas untersetzter Mann, will anders sein als die traditionsbewussten Wirtschaftsführer des Ruhrgebiets. Er hat bei Eon den „Casual Friday“ eingeführt, an dem Mitarbeiter ausnahmsweise ohne Schlips zum Dienst erscheinen dürfen. Außerdem isst er regelmäßig mit Mitarbeitern zu Mittag, um so halbwegs Kontakt zur Basis zu halten.

Mit Beharrlichkeit hat Bernotat sich an die Spitze gearbeitet. Der Sohn eines Verwaltungsrichters aus Göttingen begann seine Karriere 1976 in der Rechtsabteilung von Shell in Hamburg. 20 Jahre arbeitete er für den Ölmulti, zumeist im Ausland. Stationen in London, Lissabon und Paris schärften seinen Blick über die nationale Perspektive hinaus, bevor er 1996 zum ersten Mal die Firma wechselte: Ulrich Hartmann holt ihn zur Veba, dem Konzern, der später nach der Fusion mit Viag in Eon aufging.

Nur zwei Jahre später wird Bernotat Vorstandschef der Veba-Tochter Stinnes. Er baut den Mischkonzern in ein reines Logistikunternehmen um und macht Stinnes damit reif für die Börse. Für Bernotat war dies die bestandene Meisterprüfung – sein Weg an die Eon-Spitze war frei.

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