Eon-Chef Wulf Bernotat
Die Grenzen seiner Macht

Eon-Zentrale in Düsseldorf. Im großen, repräsentativen Robert-Schumann-Saal sitzen die Journalisten aus dem In- und Ausland gespannt vor ihren Unterlagen. Auf dem Podium, deutlich erhöht, blickt eingerahmt von seinen fünf Vorstandskollegen der Chef des größten deutschen Energiekonzerns, Wulf Bernotat, in die Runde.

DÜSSELDORF. Er strahlt, er lacht in die Kameras. Bernotat – im grauen, gedeckten Anzug und mit Lesebrille – ist sichtlich gut gelaunt. Er präsentiert nicht nur satte Gewinne, er hat auch eine echte Botschaft zu verkünden. „Organisches Wachstum wollen wir künftig stärker durch gezielte Akquisitionen ergänzen“, erklärt der bullige Manager, „dabei schließen wir auch größere Schritte nicht aus.“

Das ist fast auf den Tag genau ein Jahr her. Am Donnerstag lädt Bernotat wieder zur Bilanzpressekonferenz – und inzwischen weiß die Öffentlichkeit, wie entschlossen der 57-Jährige seine Expansionspläne angeht. Vor zwei Wochen hat er in Spanien eine Übernahmeofferte für den größten Stromversorger, Endesa, vorgelegt. 29,1 Milliarden Euro bietet der Eon-Chef den Aktionären, durchkreuzt damit einen feindlichen Übernahmeversuch durch den spanischen Gas-Natural-Konzern und legt sich nebenbei noch mit der Regierung in Madrid an, die einen möglichen Zusammenschluss von Gas Natural und Endesa öffentlich und nachdrücklich unterstützt.

Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero ist, wie er gegenüber ausländischen Journalisten verbreiten lässt, „not amused“, als er von Eons Konter erfährt. Bernotat stattet zwar artig einen Besuch in Madrid ab, legt seine Pläne dar, die Wogen glätten kann er aber nicht. Spanien ist entschlossen, den Einstieg des ausländischen Großkonzerns mit aller Macht zu verhindern. Den Schiedsrichter gibt jetzt die EU-Kommission, die den spanischen Protektionismus unterbinden will.

Wer sich letztlich durchsetzt, ist schwer zu sagen. Einig sind sich Eon-Kenner freilich, dass Bernotat nicht so schnell klein beigeben, sondern beharrlich die rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen wird. Vorgänger Ulrich Hartmann habe schließlich auch jahrelang um die Übernahme der größten deutschen Gasgesellschaft Ruhrgas gerungen, heißt es.

Was für Hartmann Ruhrgas war, ist für seinen Nachfolger jetzt Endesa. Ein Prestigeobjekt, mit dem er den Energiekonzern entscheidend Richtung Weltspitze voranbringen kann. Aber auch ein Strategieschwenk. In den ersten zwei Jahren seiner Amtszeit war Bernotat als oberster Controller durch die Konzernzentrale gegangen, hatte dem Energieunternehmen Bescheidenheit verordnet, nur nach kleinen und mittelgroßen Akquisitionen Ausschau gehalten. Es galt den großen Umbau, den sein Vorgänger mit den milliardenschweren Übernahmen von Ruhrgas und dem britischen Versorger Powergen eingeleitet hatte, zu verdauen, Renditen und Kosten in den Griff zu bekommen, Kraft zu sammeln.

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