EQT-Chef: Conni Jonsson - Riecher für reiche Beute

EQT-Chef
Conni Jonsson - Riecher für reiche Beute

Conni Jonsson ist der Chef der größten nordeuropäischen Investmentgesellschaft EQT, die gerade den deutschen Motorenhersteller MTU Friedrichshafen von Daimler-Chrysler für 1,6 Milliarden Euro übernommen hat. Und obwohl der MTU-Kauf der größte Deal in der elfjährigen EQT-Geschichte ist, bleibt Jonsson seiner Linie treu: keine Interviews, kein Statement, nichts.

STOCKHOLM. „Ein Interview?“ Ungläubig fragt der Sprecher des schwedischen Finanzinvestors EQT noch einmal nach. „Ein Interview? Nein, das macht Conni nicht.“ So hat er es immer gehalten. Und so soll es wohl bleiben. Als scheu gilt der 45-Jährige. Selbst gute Freunde beschreiben ihn als zurückhaltend bis schüchtern.

Einen Grund für seine übertriebene Diskretion hat der 1960 in der südschwedischen Provinz Östergötland geborene Jonsson eigentlich nicht. Seit der Ökonom 1994 EQT zusammen mit ein paar Freunden und dem Segen der mächtigen schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg gründete, sind ihm fast alle größeren Geschäfte geglückt. Allein 2005 hat EQT Unternehmen im Wert von 7,4 Milliarden Euro ge- und verkauft. Dabei füllte der Verkauf des schwedischen Kabel-TV-Konzerns Comhem die EQT-Kassen vor einem Monat mit 850 Millionen Euro. „Unser Ziel ist eine Rendite von 20 bis 30 Prozent auf unser eingesetztes Kapital“, hat Jonsson einmal gesagt. Bislang konnten die sieben EQT-Fonds diese Vorgabe deutlich übertreffen.

Mit einem Eigenkapital von rund sechs Milliarden Euro hat sich EQT schon in mehr als 40 Unternehmen eingekauft, vorwiegend in Nordeuropa, aber auch in Deutschland. In Deutschland ist EQT über seinen dritten Fonds am Brillenglas-Hersteller Carl Zeiss Vision beteiligt und hält große Anteile an Leybold Optics, einem Spezialisten für Beschichtungsanlagen, die in der optischen Industrie benötigt werden. Neben dem Aromenhersteller Symrise ist EQT auch am Sportrechte-Verwalter Sportfive, am Maschinenbau-Unternehmen Kühnle Kopp & Kausch und an der BHS Getriebe und Metall Technologie Holding beteiligt.

In der Regel halten Jonsson und seine 19 Partner ihre Beteiligungen zwischen drei und acht Jahre. Von 20 Firmen haben sich die Schweden seit 1994 deshalb auch schon wieder getrennt. Jonssons Karriere begann bei Robur, der Investmentgesellschaft der schwedischen Bank Swedbank. Von 1987 bis 1994 war er bei der Wallenberg-Holding Investor für Corporate Finance verantwortlich. Heute arbeitet er in einem unscheinbaren Büro in der Stockholmer Linnégatan.

Mit der Wallenberg-Gesellschaft Investor, die 69 Prozent an EQT hält, hat er einen Halt im Rücken: Die Holding ist an fast allen namhaften Unternehmen in Schweden beteiligt. Mehr als 60 Direktoren beraten ihn und seine Partner bei allen Investitionen. So standen Jonsson beim MTU-Kauf auch die ehemaligen Daimler-Chrysler-Manager Eckard Cordes und Rolf Eckroth zur Seite.

Doch der passionierte Jäger Jonsson hat selbst einen Riecher für reiche Beute. Das gilt auch für die private Haushaltskasse seiner fünfköpfigen Familie. Als er im vergangenen Jahr gefragt wurde, ob er den Chefsessel bei Investor übernehmen wolle, lehnte er ab. „Zu viel Rampenlicht“, glaubte ein Teil seiner Freunde. Der andere vermutete angesichts der vielen privaten Millionen, die Jonsson und seine Partner bei EQT verdienen, etwas anderes: „Er wollte sich das nicht leisten.“ Tatsächlich hätte Jonsson als Investor-Chef ein Jahresgehalt von 575 000 Euro plus Bonus bezogen, vermutlich eine deutliche Verschlechterung gegenüber seinem jetzigen Einkommen.

Die Partner bei EQT streichen nämlich ein Fünftel der Gewinne ein. Wie viel das genau war in den vergangenen Jahren, will Jonsson nicht sagen. Nachprüfen lässt es sich auch nicht: Ganz nach der Wallenberg-Devise „Über Geld spricht man nicht“ fließen die Einkünfte direkt in ein holländisches Unternehmen, das Jonsson gehört.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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