Er gehört in Deutschland zu den führenden Komplettdienstleistern der Branche
Ein Tischler im Fünf-Sterne-Reich

Wie der gelernte Tischlermeister und Innenarchitekt Paul Brumann eine kleine westfälische Schreinerei zum Ausstatter von Nobelhotels gewandelt hat.

ASCHEBERG. Die Toilettentür fällt ins Schloss. Endlich Ruhe! Von wegen. Auf dem stillen Örtchen ertönt eine männliche Stimme. Während sich der Besucher allzu Menschlichem widmet, erfährt er, dass Hermann Hesse Hotels für „Schreckenskammern“ hielt. Und wer den Wasserhahn aufdreht, hört eine Übernachtungsstory von Ernest Hemingway. Sie stoppt, wenn er den Hahn wieder zudreht.

Mit solchen Gags überrascht Paul Brumann seine Gäste in der neuen Zentrale seines Unternehmens, das Hotels einrichtet. Der 49-Jährige hat einen alten westfälischen Gutshof in Ascheberg südlich von Münster entkernt und ihn mit Multimediatechnik, Wasserskulpturen, Kunst und Glas in einen Treffpunkt für Kunden sowie in lichte Büros und Konferenzräume für seine Mitarbeiter verwandelt.

„Wir wollten einen Ort schaffen, der die Sinne der Menschen anspricht“, erzählt Paul Brumann und wirkt dabei weder wie ein spinnerter Künstler oder weltferner Esoteriker. Der leicht untersetzte Mann, frisch gebügeltes, weißes Hemd und konservative blau-gestreifte Krawatte, mit festem Händedruck und gesunder Gesichtsfarbe hat etwas Bodenständiges, Solides – so solide und ordentlich wie die frisch geputzten Scheiben der roten Backsteinhäuser im Westfalenland.

Der gelernte Tischlermeister und Innenarchitekt ist Chef und Inhaber der Tombusch & Brumann Interieurdesign GmbH. Er hat so renommierte Hotels wie den Nassauer Hof in Wiesbaden und den Söl’Ring Hof in Rantum auf Sylt eingerichtet. Derzeit arbeitet er mit Hochdruck am neuen Fünfsternehotel Interconti auf Düsseldorfs Prachtmeile Königsallee.

Er gehört in Deutschland zu den führenden Komplettdienstleistern der Branche. Brumann plant und entwirft das Innenleben von Hotels, vom Teppichboden über die Gardinen bis zum Bettdesign, und stellt in seiner Schreinerei alles her, was aus Holz ist: von den Möbeln über die Bar bis zur Wandverkleidung.

Mit 75 Mitarbeitern, darunter 50 in der Produktion und zwölf Architekten, kommt er auf einen Umsatz von 25 Millionen Euro. „Wir schreiben“, wie er stolz berichtet, „jedes Jahr schwarze Zahlen.“

Aber der westfälische Unternehmer hat noch mehr vor. Er will Tombusch & Brumann zur Marke formen, mehr Hotels im Ausland einrichten, neben dem langjährigen Kunden Dorint auch Hotelkooperationen wie Best Western oder Romantic Hotels als Kunden gewinnen und weitere Innenarchitekten in die Provinz nach Ascheberg locken – auch deshalb der Umzug in die ungewöhnliche Firmenzentrale.

Es ist nicht das erste Mal, dass er neue Wege geht. 1983 übernimmt er von seinem Vater in vierter Generation eine Tischler- und Schreinerei, die Möbel für Privatkunden, Gastronomie und Kirchen herstellt. Der erste Auftrag eines Hoteliers bringt den Jungunternehmer auf die Idee, aus der 122 Jahre alten, ehemaligen Binsenflechterei einen Spezialisten für Hotelinnengestaltung zu machen. Für viele langjährige Mitarbeiter kommt das einer Revolution gleich („Es gab Kämpfe ohne Ende“). Aber schließlich setzt er sich durch und vereint Tradition, neue Technologie und Handwerk.

Brumann ist mit seinem silbernen S-Klasse-Mercedes vier Tage pro Woche unterwegs. „Ich muss immer direkt bei den Kunden sein, um auf deren Wünsche einzugehen.“ Auch die Kontaktpflege zu Hotelinvestoren wie dem Kölner Herbert Ebertz ist für ihn lebenswichtig. So kurvt er am Nachmittag zu einem Termin nach Köln ins Hotel Excelsior, am nächsten Morgen nach München, weiter zum Flughafenhotel Stuttgart, wo er die Lärmbelästigung durch den Umbau testet, und am nächsten Morgen zurück nach Ascheberg. Seinen Schreibtisch, auf dem Baupläne das Familienfoto zudecken, sieht er selten.

Seine Reiserei ist nicht unproblematisch. „Wenn ihm etwas passiert, wäre das für das Unternehmen eine Katastrophe“, sagt Innenarchitektin Christina Luther, die lobt, dass man mit ihrem Chef „geradeheraus reden kann, auf einer ganz ehrlichen, fairen Basis“. Zu viel sei noch auf ihn im Unternehmen zugeschnitten, bestätigen auch andere Mitarbeiter. Er selbst hält ihnen entgegen, dass er Vertrieb und Marketing auf zwei neue Leute übertragen habe.

Seiner Mannschaft lässt er große Freiräume, wenn es gut läuft – wenn nicht, dann „kann ich schon mal auf 180 oder auf 1000 hochgehen“. Entscheidungen trifft er meist schnell und aus dem Bauch heraus. „Er ist sehr kreativ und hat oft regelrechte Geistesblitze, was man einem bodenständigen Münsterländer vielleicht nicht so zutraut“, merkt der neue Vertriebschef Steffen Tobschall an.

Am Wochenende gibt es für Brumann nur ein Thema: seine Frau und seine 8, 6 und 3 Jahre alten Kinder. Jetzt ist er schneller bei ihnen. Sein Privathaus, ein schlichter Backsteinbau, liegt neben der neuen Firmenzentrale. Da tummeln sich zurzeit die Handwerker. „Meine Mitarbeiter haben schon gewitzelt, ich würde mir einen Verbindungsgang zum Büro bauen“, sagt er. Aber das wäre selbst dem Vollblutunternehmer zu viel Nähe zum Betrieb.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%