Er gilt als effektiv arbeitender Experte
Porträt von Diplomat Jean-François Théodore

Während Seifert oft und viel in der Presse kommuniziert, ist Euronext-Chef Jean-François Théodore sehr zurückhaltend. „Das ist sein großer Vorzug, aber auch manchmal seine Schwäche“, sagt ein französischer Finanzmanager, der den Euronext-Chef noch aus dessen Zeit in der französischen Finanzverwaltung kennt.

„Er ist kein Mann der spektakulären Ankündigungen.“ Und so blieb er auch gestern nach dem Rückzug des deutschen Angebots für die LSE stumm. Seine Diskretion hat nichts mit Unentschlossenheit zu tun – im Gegenteil. In Frankreich gilt er als beharrlicher und effektiv arbeitender Experte, der seine Dossiers bis ins Detail kennt.

So friedlich und ruhig er nach außen wirkt, seine Mitarbeiter müssen belastbar sein. Denn der Börsenchef gilt als penibler Kontrollfreak. Es kommt auch des Öfteren vor, dass er seine Angestellten am Wochenende anruft. Delegieren gilt nicht als seine Stärke. Nur samstagmorgens müssen die Mitarbeiter keine Anrufe fürchten. Dann macht der Vater von drei Kindern im Supermarkt die Einkäufe für das Wochenende – um dann noch für ein paar Stunden ins Büro zu fahren und dort ganz ohne Angestellte zu arbeiten. Muße findet der Börsenchef beim Opernbesuch und bei Reisen nach Asien, eine Region, die er liebt.

Nach dem Abschluss der Elite-Schmiede ENA beginnt der Gourmet seine Karriere wie viele französische Top-Manager beim Tresor Public, der französischen Finanzverwaltung. 1989 wechselt er zur Société des Bourses françaises (SBF) und wird als erster Externer ihr Chef. Das hatte seine Gründe, denn die Pariser Börse wurde damals durch einige Skandale wie die Pleite des Devisenhändlers Tuffier-Ravier-Py erschüttert. Théodore sollte die Börse auf Vordermann bringen. Er modernisiert zunächst die Handelssysteme.

Zu Beginn häuften sich die Pannen, und schon kam Spott auf. Die gesamten 90er-Jahre verbringt Théodore dann damit, die Internationalisierung der Börse vorzubereiten. Der Börsenchef träumte davon, den „Airbus der europäischen Börsenlandschaft“ zu schaffen. Mit Stolz verweist er daher jetzt darauf, dass er mit der Integration der Börsenplätze Amsterdam, Brüssel, Lissabon und Paris Erfolge vorweisen kann. Die Streithähne wollten eigentlich schon mal gemeinsame Sache machen. Die Börsen Paris, Frankfurt und Zürich wollten 1998 verstärkt kooperieren, um dem Giganten London Paroli bieten zu können. Doch plötzlich zog Seifert die Fusionspläne für die LSE aus dem Hut. ali

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