Er hat für Finanzplatz Frankfurt viel getan: Porträt: Werner Seifert

Er hat für Finanzplatz Frankfurt viel getan
Porträt: Werner Seifert

Werner Seifert ist sein eigener Herr – und das demonstriert er gerne. Kritische Fragen zu seinen Plänen, die Londoner Börse zu übernehmen, beantwortete er auch vor Wochen nicht, als noch gar nicht klar war, dass er scheitern würde.

Wenn er jemanden nicht leiden kann, dann lässt er ihn das gnadenlos spüren – das bestätigen Mitarbeiter und Verhandlungspartner. Der 55-Jährige könne aber auch ausgesprochen charmant sein, sagen einige Mitarbeiter, doch häufig kommt er eben doch barsch, nach Meinung vieler auch arrogant daher. Um die in der Finanzszene gängige Kleiderordnung schert er sich wenig. Selbst bei offiziellen Auftritten tritt er in schwarzem Rollkragenpulli auf.

Für den Finanzplatz Frankfurt aber hat er viel getan. Als er 1993 Chef der Deutschen Börse wurde, war in Frankfurt nicht viel los. Der ehemalige McKinsey-Mann ohne vorherige Börsenerfahrung entpuppte sich schnell als brillanter Analytiker und energischer Macher. Frühzeitig erkannte er die Überlegenheit elektronischer Handelsplattformen gegenüber dem klassischen Parketthandel. Unter seiner Regie wurde das elektronische Handelssystem Xetra eingeführt, über das heute mehr als 95 Prozent des Handels laufen.

Seiferts Vorstandskollege Jörg Franke baute zugleich die Terminbörse Eurex zum weltgrößten Derivatemarkt aus. Seiferts letzter großer Coup war der Kauf des Abwicklers Clearstream – damit vereinte die Börse die gesamte Prozesskette im Wertpapiergeschäft unter einem Dach. Dank dieses einzigartigen „Silo-Modells“ ist die Deutsche Börse heute, gemessen am eigenen Marktwert, die größte Börse der Welt – eine Leistung, für die ihm selbst seine schärfsten Kritiker Respekt zollen und die mit dafür sorgte, dass er so lange an der Konzernspitze sitzt wie kaum ein anderer Chef eines Dax-Unternehmens.

Doch so brillant der Manager, der stark auf geistige Unterstützung von Unternehmensberatungen baut, als Stratege und Antreiber auch ist, wenn es ums Schmieden internationaler Bündnisse geht, verlässt ihn die Fortune. Im Jahr 2000 platzte der erste Anlauf zu einer Fusion zwischen London und Frankfurt, im vergangenen Sommer scheiterte der Annäherungsversuch an die Schweizer Börse – kein Wunder, denn deren Chef Reto Francioni war früher bei der Deutschen Börse, bevor ihn Seifert ebenso wie den Eurex-Chef Franke vergraulte. „Sein Führungsstil ist nicht gerade teamorientiert“, sagt ein Börsenmanager – und das ist noch vornehm ausgedrückt. pot

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