Er hat guten Rat für Politiker – aber die hören auf Juristen
Der Auktionator

„Wenn schon Deutschland, dann Bonn“, hatte sich Benny Moldovanu vor 18 Jahren gedacht – und seinen Vorsatz umgesetzt. Damals zog der gebürtige Rumäne nach einem Mathematik- und Ökonomiestudium in Jerusalem an den Rhein. „La femme“ habe seinen Umzug nach Deutschland verursacht, sagt er lächelnd.

HB DÜSSELDORF. Die Entscheidung fiel auf Bonn, weil dort der spätere deutsche Nobelpreisträger Reinhard Selten, Spieltheoretiker wie Moldovanu, lehrt. Eine Bewunderung, die auf Gegenseitigkeit beruht: „Moldovanu ist ein ungewöhnlich begabter Wirtschaftswissenschaftler“, lobt Selten.

Kennen gelernt hatte Moldovanu seinen späteren Doktorvater Selten an seiner israelischen Heimatuniversität, wo dieser oft zu Gast war. Moldovanu entschied sich zunächst für ein Mathematik-Studium. „Weil es ein schweres Fach ist – und ich eine Herausforderung gesucht habe.“ Ökonomie sei ihm später leicht gefallen, „ich konnte ja Mathematik“.

Dass er von Volkswirtschaftslehre, insbesondere von Spieltheorie und Auktionsdesign, außerordentlich viel versteht, hat er unter Fachkollegen längst mehr als bewiesen: als Gewinner des vom Verein für Socialpolitik verliehenen Gossen-Preises etwa, der wichtigsten deutschen Auszeichnung für junge Wirtschaftswissenschaftler.

Nur als Ratgeber für die deutsche Wirtschaftspolitik kam er bislang nach seinem Geschmack noch zu wenig zum Zuge. Dabei steht Moldovanu bereit: „Ökonomen haben eine große Verantwortung, zu beraten und sich einzumischen“, sagt er. Warum sie seiner Meinung nach zu selten konkret gefragt werden, erklärt er sich so: Ökonomie sei sehr „komplex“, habe aber dennoch das „Problem, dass sie jeden betrifft und alle etwas zu kommentieren haben“. Die Idee, dass es für Ökonomie ebenso wie etwa für Medizin Fachleute gebe, sei in Deutschland wenig verbreitet. Die wirtschaftspolitischen Entscheidungen träfen hier zu Lande zumeist Juristen, klagt er.

Beispiel Telekommunikationsmarkt: Als vor fünf Jahren die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post UMTS-Lizenzen versteigerte, seien weder er noch einer seiner Fachkollegen um Rat gefragt worden, sagt Moldovanu. Trotzdem simulierte er das Ergebnis mathematisch und kam zu dem Ergebnis: Die Auktionsregeln waren wettbewerbsfeindlich – weil sie die bereits auf dem Markt befindlichen Firmen gegenüber potenziell neu in den Markt eintretenden Unternehmen begünstigten. Dass Auktionen klassischen Ausschreibungen im Land der Behörden manches Mal vorgezogen werden, begrüßt Moldovanu zwar sehr. „Aber was nützt es, wenn die richtigen Instrumente von den falschen Handwerkern eingesetzt werden?“ fragt er.

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