Er soll Beweismittel vernichtet haben
Ex-Starbanker Frank Quattrone vor Gericht

Bald könnte seine einst glanzvolle Karriere von Frank Quattrone hinter Gefängnisgittern enden: Seit Montag muss sich der Ex-Chef des Technologieteams der Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) vor einem New Yorker Gericht verantworten. Vernichtung von Beweismitteln und Beeinflussung von Zeugen lauten die Vorwürfe.

NEW YORK. FoB – so lautete das Kürzel für den verschworenen Zirkel der „Friends of Bill“, der Freunde des früheren US-Präsidenten Bill Clinton. Wer dazugehörte, konnte auf einflussreiche Posten hoffen. Auf viel Geld durften dagegen die „FoF“ hoffen, die Friends of Frank. Frank Quattrone war Anfang 2000 der Star unter den Investmentbankern, die junge, heiße Technologiefirmen an die Börse brachten.

Wird Quattrone schuldig gesprochen, dann droht ihm nach Einschätzung seiner Verteidiger eine Haftstrafe von ein bis zwei Jahren. Er wäre der mächtigste Banker seit dem berüchtigten Anleihehändler Mike Milken, der wegen Anlegerbetrugs hinter Gitter muss. Der Skandal stürzte damals die Investmentbank Drexel, Burnham in die Pleite.

Die Vorgeschichte zu Quattrones Sturz beginnt am 5. Dezember 2000, als er noch im Zenit seiner Macht steht. Seine hochprofitable Abteilung verkauft damals wie am Fließband die Aktien junger Börsenkandidaten. Weder Goldman Sachs noch Citigroup oder Morgan Stanley bringen zu der Zeit mehr Technologiefirmen an den Markt.

In seinem Büro im kalifornischen Silicon Valley ist Quattrone fast Alleinherrscher. Die CSFB-Führung in New York mischt sich kaum ein, noch weniger der Mutterkonzern Credit Suisse im fernen Zürich. Zu-vor hat der Star-Banker bereits Morgan Stanley und der Deutschen Bank den Rücken gekehrt, weil sie ihm zu wenig Freiraum ließen.

Nur eine Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC und der Bundesstaatsanwaltschaft stören ihn damals. Die Aufseher stellen lästige Fragen zu bevorzugten Aktienzuteilungen an „FoF“ bei Börsengängen und zu überhöhten Gebühren, mit denen sich Hedge-Funds „bedanken“, wenn sie mal wieder Aktien eines Börsenneulings erhalten. Damals reißen sich die Anleger um die wenigen Papiere, die auf den Markt kommen und deren Kurse oft raketenschnell abheben.

Bereits am vierten Dezember 2000 informieren CSFB-Anwälte Quattrone über die Nachforschungen. Einen Tag später leitet er eine E-Mail an seine Untergebenen weiter. Darin fordern seine Vorgesetzten die Banker auf, Dokumente aus Börsengängen entsprechend den Firmenrichtlinien zu vernichten. Quattrone fügt der E-Mail hinzu: „Nachdem ich ein wichtiger Zeuge in einem Verfahren wegen Anlagebetrugs in Südtexas war, rate ich dringend, diesen Richtlinien zu folgen.“

Diese Bemerkung könnte ihm jetzt zum Verhängnis werden. Denn nach Ansicht der Anklage forderte Quattrone damit sein Team auf, gerichtsrelevantes Beweismaterial zu vernichten. Später zahlte CSFB 100 Millionen Dollar, um den Vorwurf illegaler Absprachen mit Hedge- Funds beizulegen. Die Summe galt als sehr hoch. Der Börsenhändlerverband NASD, der sich an der Untersuchung beteiligte, erteilte vier Mitarbeitern Quattrones Berufsverbot, weil sie nicht mit den Ermittlern zusammenarbeiten wollten.

Doch um Quattrone ins Gefängnis zu bringen, müssen die Ankläger ihm böswillige Absichten nachweisen. „Das wird der schwierigste Teil des Verfahrens“, sagte Anwalt Philip Kinda, der früher selbst für die SEC arbeitete, gegenüber der Agentur Bloomberg. Die Verteidiger haben die Schwachstelle schon erkannt: „Herr Quattrone hat mit seiner E-Mail nur die Mitarbeiter aufgefordert, einer Firmenrichtlinie zu folgen“, argumentiert sie in Gerichtsunterlagen. Er habe niemals zur Vernichtung von Beweismaterial aufgefordert.

Schon jetzt steht fest, dass er seinen Arbeitgeber nicht mit in die Krise ziehen wird. Der neue CSFB-Chef John Mack entließ Frank Quattrone bereits kurz nach der strafrechtlichen Anklage.

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