Er verkauft Hochprozenter und sammelt Autos
Mark Lieb, der Milliardenmann

Da sitzt der Milliardenmann im Hotelsessel des Frankfurter Hiltons. Mark Lieb hat sich des Jacketts und der Krawatte entledigt, isst tief über seinen Salatteller gebeugt. Das Gespräch am späten Nachmittag verzögert sich, denn der 55-Jährige muss sich erst einmal den Magen füllen.

FRANKFURT/M. Jede freie Minute war der Amerikaner zuvor auf Verkaufstour. Institutionelle Anleger in Europa reißen ihm seine Produkte aus den Händen: Es geht um Portfolios hoch verzinslicher Anleihen. Der hier zu Lande kaum bekannte Lieb gründete Spectrum Asset Management. Die kleine US-Anlagefirma verzehnfachte in kurzer Zeit das verwaltete Kapital und betreut jetzt 13,5 Mrd. Dollar. Ihre Spezialität sind nachrangige Anleihen – die auf rasant wachsendes Interesse stoßen. Besitzer dieser Firmenpapiere werden zwar im Fall einer Insolvenz zuletzt bedient. Aber die Anleiheemittenten machen institutionellen Investoren den Nachteil mit einem Renditeplus schmackhaft.

Es läuft prächtig für die jetzt 16 Mitarbeiter zählende Firma in Stamford im US-Bundestaat Connecticut, die vor einigen Jahren vom großen US-Asset-Manager Principal Global Investors gekauft wurde. Pensionsfonds und andere Großanleger suchen angesichts der niedrigen Staatsanleihenrenditen händeringend nach höher verzinslichen Alternativen. Parallel dazu geben immer mehr europäische Firmen wie ABN Amro oder Allianz neue Papiere aus.

Im Grunde kehrt Lieb zurück zu den Ursprüngen. Vor 18 Jahren war er bei seinem damaligen Arbeitgeber Drexel Burnham Miterfinder der nachrangigen Anleihen. Firmen wie Coca-Cola oder Procter & Gamble nutzten kurz laufende Papiere für ihre Cashdispositionen. Depots dieses Strickmusters finden jetzt auch bei den europäischen und deutschen Kunden viel Anklang.

Man könnte es dem Pionier kaum übel nehmen, wenn er sich den ganzen Verkaufsstress nicht mehr antun würde. Das Hochzinsgeschäft hat ihn reich gemacht. Er wohnt mit Frau und zwei Kindern auf Long Island in seinem eigenen Weingarten. Die Farm hat Hufeisenform, um eine Sammlung von alten Automobilen unterbringen zu können. Die Frage, ob er mehr PS-Veteranen besitze als seine Firma Mitarbeiter beschäftige, kann er aus dem Stand gar nicht beantworten. „Mehr Mitarbeiter“, sagt er schmunzelnd nach kurzem Nachdenken.

Spectrum ist eine ausgemachte Erfolgsstory, so scheint es. Größere Risiken sieht Lieb nicht für seine Kunden. Von einer Blase an den Anleihemärkten, die manche Analysten befürchten, will er nichts wissen – sie würde Hochzinstitel weitaus stärker treffen als Staatspapiere. „Ich kenne nur Immobilienblasen und Wasserblasen“, kanzelt Lieb Skeptiker ab.

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