Erben müssen selbst bei Ablehnung Fristen und Formalitäten beachten
Faule Erbschaft ausschlagen

Erben muss nicht reich machen. Besteht der Nachlass nur aus Schulden, heißt das Zauberwort: ausschlagen. Doch wer nicht aufpasst, hat plötzlich doch das Erbe am Hals.

Erbschein kann schon Akzeptanz bedeuten

Die Möglichkeit zur Ausschlagung des Erbes ist schnell verspielt. Denn Gerichte werten schon die Beantragung eines Erbscheins als Annahme des Erbes. Glück hatte ein Mann, der Auskunftsklage gegen den Testamentsvollstrecker einreichte, um Details über die Hinterlassenschaft des Verstorbenen zu erfahren. Kurz darauf schickten ihm die Gläubiger des Erblassers ihre Forderungen. Mit der Auskunftsklage habe er das Erbe akzeptiert und damit die Schulden übernommen, argumentierten sie. Nein, sagten die Richter. Der Mann habe sich nur informieren wollen, mit einer Annahme des Erbes habe das nichts zu tun (Bayerisches Oberstes Landesgericht, I Z 59/04).

Laien genießen gewissen Schutz

Ein Mann hatte Frau und Kindern keinen Cent hinterlassen. Die juristischen Laien wussten nicht, dass sie rechtlich trotzdem als Erben gelten. Nach einigen Monaten meldete sich ein Gläubiger des Verstorbenen und reklamierte 2300 Euro Kreditschulden. Die Hinterbliebenen versuchten daraufhin, das Erbe auszuschlagen. Zu spät, sagte das Nachlassgericht. Die Sechs-Wochen-Frist sei längst verstrichen. Doch das bayerische oberste Landesgericht sprang der Familie zur Seite: Als Laien hätten sie nicht wissen können, dass sie auch ohne den Erhalt von Aktiva Erben sind. Da sie das erst nach Auftauchen des Gläubigers erfahren und dann zügig die Ausschlagung erklärt hätten, sei die Frist als gewahrt anzusehen (1 Z BR 80/93).

Ausschlagungserklärung kann angefochten werden

Manchmal bereut ein Erbe im Nachhinein sein "Nein danke!" - etwa wenn doch noch erhebliche Wertgegenstände auftauchen. In solchen Fällen können Erben ihre Ausschlagungserklärung wegen Irrtums anfechten. Um sich dieser Chance nicht zu berauben, sollte die Verzichtserklärung nicht zu endgültig formuliert werden. Schlägt ein Erbe den Nachlass mit der Formulierung "gleichgültig wie hoch mein Erbteil ist" aus, hat eine spätere Anfechtung wegen Irrtums keine Chance (Oberlandesgericht Düsseldorf, I-3 Wx 193/04).

Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 38 vom 22.09.2005 Seite 130

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