Erfahrung zeigt, dass Wohltätern Zurückhaltung gut zu Gesicht steht
Anwälte entdecken ihr Herz

Auch Großkanzleien verschenken jetzt ihre Dienste. Als Pro-Bono-Fälle. Ihre Motive sind Pflichtgefühl – und Werbeeffekte.

Die Berater machen es den Anwälten vor: Als Anfang Oktober in München der Grundstein für das Haus des Vereins Horizont gelegt wurde, war das nicht nur für 24 obdachlose Mütter mit ihren Kindern ein Grund zur Freude. Sie sollen hier eine neue Heimat finden. Zu den Förderern gehört auch die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton (BAH), deren Münchner Berater für den Verein den Immobilienmarkt analysierten, Sponsoringkonzepte erstellten und mit Architekten verhandelten – kostenlos. „Für den Horizont- Verein arbeiten wir seit dreieinhalb Jahren“, freut sich Klaus-Peter Gushurst, Deutschland-Chef von BAH.

Was für Unternehmensberater in Deutschland schon lange dazu gehört, wird jetzt auch bei Anwälten populär. Viele Großkanzleien widmen sich der Pro-Bono-Beratung, arbeiten also „für das Gute“. Die Nutznießer der kostenlosen Beratung sind gemeinnützige Einrichtungen, Organisationen und Vereine, die die teuren Dienste der Juristen nicht bezahlen könnten. Mit ihrer mildtätigen Hilfe unterstützen die Juristen meist soziale Projekte, manchmal auch die medizinische Forschung oder den Denkmalschutz.

Zum Beispiel die deutsche Großkanzlei Hengeler Mueller: „Bei uns ist es primär Sache jedes einzelnen Partners, sich zu engagieren. Je nachdem welche Interessen er hat“, berichtet Partner Matthias Blaum aus Düsseldorf. So beriet der Anwalt in den vergangenen Monaten eine Fördergemeinschaft, die an der Universitätsklinik Münster ein Herzfehler- Zentrum einrichten möchte. Dass die kostenlosen Dienste notwendig sind, daran hat Blaum keinen Zweifel. „Unternehmen haben immer auch Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit.“

Bei der straffen Organisation der Pro-Bono-Beratung sind Kanzleien mit angelsächsischer Herkunft schon weiter. Vor allem amerikanische Kanzleien leisten sich oft einen Anwalt, der ausschließlich für die Organisation der kostenlosen Beratung abgestellt ist. In den USA hat solches Engagement lange Tradition. „Heute verwenden wir in Deutschland erst rund zwei Prozent unserer Arbeitszeit auf Pro-Bono- Arbeit“, schätzt Koordinator Björn- Axel Dißars von Latham & Watkins Schön Nolte in Hamburg, „aber diese Quote soll weiter steigen.“

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