Erfahrungen der Luftfahrt
Was Manager im Himmel lernen

Die Luftfahrt hat das Streben nach Sicherheit so perfektioniert wie keine andere Branche. Jeder Unfall wird analysiert, Fehler systematisch ausgemerzt. Was Unternehmer von Piloten lernen – und dabei in die Luft gehen.
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DüsseldorfDie Piper Malibu summt durch die Wolken, irgendwo unter uns liegt Köln. Wir steuern auf den Trainingsluftraum bei Nörvenich zu, einem Fliegerhorst westlich der Rheinmetropole. Wolkenfetzen ziehen an den Fenstern der sechssitzigen Maschine vorbei. Ein Kopfhörer mit dicken Muscheln sitzt auf meinen Ohren und dämpft das Wummern des turbinengetriebenen Propellers. Dann schallt der Aufruf über den Hörer: „Der Passagier in der hinteren Reihe setzt sich nun auf die vordere Reihe“, sagt Pilot Stefan Unzicker. Das gilt mir.

Ich schnalle den Sicherheitsgurt ab, erhebe mich aus dem Sitz. Fast stoße ich mit dem Kopf an die Kabinendecke, dann lasse mich auf dem gegenüberliegenden Sessel, Rücken an Rücken mit dem Co-Piloten, wieder fallen. Unzicker hat das Steuer derweil losgelassen. Ohne korrigierenden Eingriff des Piloten reagiert die kleine Piper sofort auf die Verlagerung des Schwerpunkts. Die Flugzeugnase neigt sich nach unten - und binnen Sekunden verlieren wir mehr als hundert Meter an Höhe.

Wegen der grauen Wolkensuppe um uns herum lässt sich der rapide Höhenverlust fast nur an den Instrumenten ablesen – aber ich spüre auch, wie meine Innereien einen Satz machen. Derweil lässt Unzicker den Co-Piloten wieder das Steuer ergreifen. Der kämpft damit, die Piper wieder auf die vorgesehene Flughöhe einzupendeln.

Das eindrückliche Beispiel zeigt, wie wenig ausreicht, um ein Flugzeug aus den vorhergesehenen Bahnen zu bringen – in diesem Fall sind es meine rund 87 Kilo, die einen halben Meter nach vorne verschoben die gut 1950 Kilogramm der Piper inklusive Treibstoff und Passagieren ins Schwanken versetzen. Und die Demonstration zeigt, wie wichtig eine stete Aufmerksamkeit der Piloten und deren korrekte Reaktion ist.

Der Luftfahrtingenieur Unzicker demonstriert auf einem Rundflug im Cockpit seiner Piper, mit welchen Sicherheitsverfahren die Luftfahrtindustrie die Gefahren des Fliegens minimiert. „Wenn man die theoretischen Schilderungen dann im Flug selbst erlebt, hat ein Seminar eine ganz andere Nachhaltigkeit“, sagt der Verkehrspilot. Er arbeitete als Entwicklungsingenieur beim deutschen Flugzeugbauer Dornier Seastar in Oberpfaffenhofen, war Co-Pilot beim Erstflug des Luftschiffs Zeppelin NT im Jahr 1997 und baute die Firma Moving Terrain auf, die Cockpit-Multifunktionsgeräte entwickelt und herstellt.

Jetzt zeigt er, was Manager von der Luftfahrtindustrie lernen können. Unzicker ist nicht allein. Management-Ratgeber wie etwa das Buch „Crash-Kommunikation – Warum Piloten versagen und Manager Fehler machen“ des Sozialpädagogen, Berufspiloten und Fluglehrers Peter Klaus Brandl zeigen, welche Lehren die Luftfahrt aus Unfällen zieht und was sich Unternehmen abschauen können.

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  • Ja sicher kann man aus Flugzeugunfällen viel lernen und hat auch schon sehr viel gelernt. Ansonsten wäre das Flugzeug nicht ein so sicheres Verkehrsmittel. Und die Luftfahrt ist nützlich für jedermann.

    Aber leider wird viel von dem Nutzen durch angeblich nötige Bürokratie aufgesaugt. Angeblich um die Sicherheit zu erhöhen. Was aber nicht stimmt. Vieles kann sehr viel einfacher geregelt werden oder ist schlichtweg nur Schein-Sicherheit.

    Warum gibt es neben dem Luftfahrtbundesamt für Deutschland, noch eine europäische Luftfahrbehörde UND in jedem deutschen Bindesland noch eine extra Luftfahrtbehörde, in Bayern sogar gleich zwei?

    In den USA muß man als Pilot die Sprache beherrschen. Dazu wird in ein Kästchen ein Kreuz gemacht, wenn dem so ist und das gilt dann für die Zukunft. In Deutschland werden die Sprachkenntnisse in 6 Stufen erteilt und müssen regelmäßig z.B. alle 4 Jahre wieder kostenpflichtig nachgewiesen werden. WARUM?

    Abgelaufene Ausweise und Pässe dürfen sie behalten. Abgelaufene Pilotenlizenzen werden aber wieder -ohne jede Rechtsgrundlage?- wieder eingesammelt. Das beschäftigt die Mitarbeiter und sichert deren Arbeitsplätze. Aber ist das sinnvoll?

    Piloten sollen auch zuverlässig sein. So wird in den USA jeder Pilotenanwärter auch auf persönliche Zuverlässigkeit überprüft. In Deutschland jedoch regelmäßig alle paar Jahre. Eine regelmäßige ZÜP (Zuverlässigkeitsüberprüfung) ist ziemlich sinnlos, nützt keinem. Jeder Baggerfahrer kann mit seinem Fahrzeug sehr viel mehr Unheil anrichten, wie ein Pilot in der allgemeinen Luftfahrt. Aber Herr Schäuble sieht das anders.

    Die Investition in einen Gemeindeflugplatz zahlt sich meist mit dem Faktor 10 für die Gemeinde aus. Soweit eine Untersuchung aus den USA. Weil die Wirtschaft dadurch flüssiger abläuft. Klein- und Mittelstandsunternehmer werden so viel flexibler. Aber warum man in Deutschland diese positiven Effekte durch vielfältige Bürokratie verhindert, ist mir ein Rätsel.

  • Habe selber am Managementseminar von Hr. Unzicker teilgenommen und war beeindruckt von den Parallelen, die zwischen dem Führen eines Flugzeugs und dem eines Unternehmens existieren. Schön sind auch die praktischen Anwendungsbeispiele und das Eingehen auf die Spezifika einzelner Branchen. Ein an sich unsicheres Verkehrsmittel wie das Flugzeug vom ersten Planungsschritt bis hin zum Fliegen selber zum sichersten Verkehrsmittel zu machem ist offensichtlich ein Verdienst von Standards und Methoden, die im der Luftfahrtindustrie - so wie ich es verstanden habe - ganz selbstverständlich geübt werden - sollten m.E. Manager unbedingt auch tun. Airborne Management hat diesen Transfer von der Luftfahrtindustrie zu anderen Branchen perfekt umgesetzt. Auch die vom Autor richtigerweise beschriebenen Erlebnisse am und im Flugzeig helfen, das Gelernte zu verinnerlichen... Man merkt, dass ich nach wie vor begeistert vom Seminar bin. Ich freue mich auf die Fortsetzung!

  • Beeindruckend ist, dass CRM/Human Factors Training, das wir in Seminaren anbieten, auch Antworten auf viele Fragen aus dem Management und dem Geschäftsleben bietet. Als ganzheitliche Strategie verbessert CRM nachhaltig die Fähigkeit der Mitarbeiter, die Quellen von Fehler in sich selbst, aber auch in allen Ebenen der Zusammenarbeit innerhalb der Organisation und in der Organisation selbst frühzeitig zu identifizieren. So verbessert es dauerhaft und beständig die Zusammenarbeit im Team.

    Diese Vorgehensweise optimiert nach dem Motto "lessons from the cockpit“ Ihren Umgang mit dem „Human Error“, mit Wahrnehmungsfehlern und den daraus resultierenden Kommunikationsfallen – Elemente, die auch in ganz alltäglichen Arbeitsbereichen ihre gefährliche Wirkung entfalten und die Motivationsverlust, innere Migration oder sogar Burnout bedeuten können.

    Ein durchdachtes Team Resource Management kann dem ähnlich wirksam gegensteuern wie das CRM in der Luftfahrt dem Absturz. Genau darum geht es in den Seminaren.
    info(at)awareness-crm.eu

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