Erfolgsprämie „aktienrechtlich und ökonomisch richtig“
Verteidiger fordern Freispruch für Ex-Mannesmann-Chef Esser

Im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess hat die Verteidigung für den früheren Konzernchef Klaus Esser einen Freispruch gefordert. Esser habe mit seinem Handeln während der Übernahmeschlacht mit Vodafone weder das Strafrecht noch das Aktienrecht verletzt, sagte sein Verteidiger Sven Thomas gestern vor dem Düsseldorfer Landgericht.

HB DÜSSELDORF. Die umstrittene Erfolgsprämie in Höhe von 30 Mill. D-Mark für Esser "war aktienrechtlich und ökonomisch richtig", sagte Thomas. Schließlich habe sich während Essers Zeit als Vorstandschef "der innere Wert und damit der wirkliche Wert des Unternehmens um 100 Mrd. Euro erhöht". Leistung und Erfolg Essers seien weit über das hinausgegangen, was Vorstand, Unternehmen und Aktionäre hätten erwarten können. Esser sagte denn auch in seinem Schlusswort, dass kein Vorwurf verletzender sein könne, als wenn ihm jemand nachsage, er hätte nicht leidenschaftlich für Unternehmen, Mitarbeiter und für die Aktionäre gearbeitet. Das Aufsichtsratspräsidium habe deshalb bei der Gewährung der Prämie im unternehmerischen Ermessen gehandelt, sagte Thomas.

Scharf ins Gericht ging der Anwalt mit der Staatsanwaltschaft, die in ihrem Plädoyer für Esser zweieinhalb Jahre Haft ohne Bewährung wegen Untreue in einem besonders schweren Fall gefordert hatte, und unterstellte ihr "Verschwörungstheorien". Die Anklagebehörde wolle mit ihrem Vorgehen im Mannesmann-Prozess die Auswüchse des globalen Kapitalismus bekämpfen und verkenne damit ihre Aufgabe, sagte Thomas. Sie sei auch vor der Verdrehung der Wahrheit nicht zurückgeschreckt. Die Prämienzahlungen bei Mannesmann erfüllten nicht den Tatbestand der Untreue. Esser habe sich daher auch nicht der Beihilfe zur Untreue schuldig gemacht.

Vorwurf der Käuflichkeit unhaltbar

Auch der Vorwurf der Käuflichkeit lasse sich nicht aufrechterhalten, sagte Essers zweiter Anwalt Jürgen Welp. Insgesamt 17 Zeugen hätten im Prozess ausgesagt, dass der Übernahmekampf längst entschieden gewesen sei, als die Millionenprämie für Esser von Großaktionär Hutchison Whampoa vorgeschlagen worden sei.

Anwalt Thomas räumte allerdings ein, dass die geplante Selbstbegünstigung von Aufsichtsrats-Chef Joachim Funk "ein Fehler" gewesen sei. Das Vorhaben sei aber nach den Warnungen der Wirtschaftsprüfer gestoppt und ohne Mitwirkung Funks neu beschlossen worden.

Die Anwälte des früheren Mannesmann-Personalchefs Dietmar Droste plädierten ebenfalls für einen Freispruch. Für die anderen Angeklagten, auch für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, hatten die Anwälte bereits vergangene Woche Freisprüche gefordert.

Kommenden Donnerstag geht der Mannesmann-Prozess nach einem halben Jahr in die letzte Runde. Richterin Brigitte Koppenhöfer wird am 37. Verhandlungstag das Urteil verkünden. Seit ihrer Zwischenbilanz am 31. März wird mit einem Freispruch gerechnet.

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