Erich Harsch wird neuer dm-Chef
Aus eigener Züchtung

Nach 27 Jahren im Dienste des Drogeriemarktriesen dm führt Erich Harsch von Freitag an die Geschäfte der Kette. Vor seinem Vorgänger und Unternehmensgründer Götz Werner muss sich Harsch künftig im Aufsichtsrat verantworten - eine schwere Bürde für den Manager.

KARLSRUHE. San Francisco, Santa Barbara, den Highway 101 runter bis L.A. – „Kalifornien ist traumhaft“, schwärmt Erich Harsch. 13 Tage hat er sich gegönnt vor seinem vorerst größten Satz auf dem Karrieresprungbrett. Jetzt aber sitzt der gebürtige Wiener leicht verkatert mit Dreitagebart wieder in seinem Karlsruher Büro und hofft, rechtzeitig zur offiziellen Amtsübergabe den Jetlag in den Griff zu bekommen.

Dabei hat er sich für seinen Anlauf zum Sprung an die Firmenspitze 27 Jahre Zeit genommen. 1981 heuerte Harsch, zunächst als IT-Experte, bei der Drogeriemarktkette dm an – und ließ Headhunter in den Folgejahren reihenweise abblitzen.

Das sture Abwarten zahlt sich nun aus: Morgen zum Dienstbeginn tritt der 47-Jährige in die Fußstapfen von Götz Werner, dem Gründer und Geschäftsführungsvorsitzenden der zweitgrößten Drogeriemarktkette Deutschlands. Der 64-Jährige zieht sich, nachdem sein Unternehmen zum ersten Mal die Vier-Milliarden-Euro-Umsatzgrenze durchstoßen hat, in den Aufsichtsrat zurück. Nur Anton Schlecker verkaufte zuletzt noch mehr Cremes, Deoroller und Zahnpastatuben als er.

„Ein schönes Eigengewächs“, lobt Branchenkenner und Unternehmensberater Volker Dölle Harsch. Er spreche perfekt dieselbe Sprache wie der Unternehmensgründer. Doch die Fußstapfen, die Götz Werner seinem Nachfolger hinterlässt, könnten größer kaum sein. In den vergangenen 35 Jahren schrieb der Querdenker deutsche Handelsgeschichte. Seinen ersten Laden gründete der gelernte Drogist mit 29 Jahren, weil sein vormaliger Chef seine revolutionären Ideen für Schwachsinn erklärte.

Mit Tiefpreisen, die Werner durch die Abnahme großer Warenmengen, Selbstbedienung und den Start von Eigenmarken halten konnte, drängte der Handelspionier schon bald die traditionellen Drogerien aus dem Markt. Seit 1994 verzichtete er auf Sonderangebote. Lieber warb Werner mit „Dauerpreisen“, die er an seinen Regalen mit Hilfe von Verbraucherorganisationen dokumentieren ließ. Eine Vision, die sich auszahlen sollte: Nach der Euro-Umstellung 2002 stürmten Kunden buchstäblich die dm-Märkte, weil sie anderswo Umrechnungsschummeleien witterten.

Anders als Schlecker, Lidl oder Aldi hielt Werner in seinen 1 849 Filialen viel von der Eigenverantwortung seiner Mitarbeiter. Sie schickte er regelmäßig zu mehrtägigen Theaterworkshops – „um die Persönlichkeit zu entwickeln“, wie er sagt.

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