Ernennung nur noch Formsache
Aus dem Schatten ins Licht

Nicht nur der französische Gaskonzern GdF will sich neu positionieren, auch dessen neuer Chef. Pierre Gadonneix soll den französischen Stromriesen an die Börse bringen und Kernkraftwerke bauen.

PARIS. Das Neugeborene in den Armen der glücklichen Mutter, ein Teddybär im Bett daneben und der üppige Blumenstrauß des stolzen Vaters auf dem Nachttisch: Mit diesem idyllischen Motiv wirbt Frankreichs Versorger Gaz de France (GdF) dieser Tage für sich. Das Motto der Anzeigen-Kampagne: „Hier. Dort. Für Sie. Für morgen.“

Für morgen will sich nicht nur der Gaskonzern neu positionieren – auch sein Chef, Pierre Gadonneix. Der 61-Jährige löst François Roussely als Chef des staatlichen Stromriesen Electricité de France (EdF) ab. Mit der Berufung in den Verwaltungsrat von EdF, die Premierminister Jean-Pierre Raffarin gestern bekannt gab, ist seine Ernennung nur noch Formsache. Nachdem ihn der Verwaltungsrat zum neuen EdF-Chef gewählt hat, wird er kommenden Mittwoch vom französischen Ministerrat formell bestätigt.

Für den Ingenieur Gadonneix bedeutet das: Abschied aus der Kuschelecke und hinein ins politisch-industrielle Haifischbecken, das Frankreichs beliebtestes Unternehmen umgibt. Schon die Umstände seiner Beförderung geben Gadonneix einen Vorgeschmack auf die Tücken seines neuen Jobs. Weil sich Frankreichs Regierung monatelang nicht auf einen Nachfolger für Roussely einigen konnte, führte er EdF, seit sein Vertrag am 11. Juli auslief, nur noch kommissarisch. Wichtige Weichen durfte Roussely nicht mehr stellen, Vorstandssitzungen wurden abgesagt – ein Unding für einen 45-Milliarden-Euro-Konzern, der nächstes Jahr an die Börse will.

Gadonneix galt stets als Kandidat, aber lange nicht als Favorit für den EdF-Posten. Bis zuletzt wurden Managerstars wie Airbus-Chef Noël Forgeard und der ehemalige Finanzminister und Arcelor-Boss Francis Mer gehandelt. Der jetzt auserkorene Gadonneix hat Handicaps: Wegen seines Alters kann er den Fünfjahresvertrag nicht voll erfüllen, denn die Chefs von Staatsunternehmen müssen in Frankreich mit 65 in Rente. Auch fehlen ihm prominente politische Kontakte – anders als Roussely, der sich stets auf sein gutes Verhältnis zu Staatschef Jacques Chirac verlassen konnte. Schließlich bezweifelt mancher, ob Gadonneix, der seine Karriere eher im Schatten als im Lichte der Öffentlichkeit gemacht hat, das für EdF nötige Starpotenzial besitzt.

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