Ernst Prost
Der die Welt schmiert

„Geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber dein Brot“, sagt der Vater bei Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ zu seinem nichtsnutzigen Sohn. „Raus aus dem Dorf und hinaus in die Welt“ hat Ernst Prost frei nach Eichendorff zu sich selbst gesagt. Bei Eichendorff hat der Held eine Geige im Gepäck, im Hause Prost dagegen gab es nur Schmieröl.

MÜNCHEN. Doch damit hat der gelernte KFZ-Mechaniker seinen Weg gemacht – und was für einen. Durch dick und dünn ist er für seine Aufträge gegangen, an einer Tankstelle in der jordanischen Wüste sogar durch knöcheltiefen Ölschlamm. Für seinen Kalender hat er halbnackte Models in Werkstattumgebung fotografiert – auch nicht schlecht. Und seine Werbespots hat er beim Araberfernsehen Al Dschasira untergebracht.

Es gibt sie also noch, die deutschen Unternehmer. Aus einem verträumten Nischenanbieter hat Ernst Prost binnen weniger Jahre ein in 81 Ländern aktives Mittelstandsunternehmen geformt, das 200 Mitarbeiter beschäftigt, 100 Millionen Euro Umsatz erzielt und, weil er für die Formel 1 ziemlich viel Geld locker macht, im vorigen Jahr drei Millionen Euro verdient hat. Das Ende der Verschuldung ist auch so schon absehbar. Die Firma heißt Liqui Moly.

„Wir machen so viel wie nur möglich selbst“, sagt der Chef und lacht. Ernst Prost lacht viel, da kann der Ölpreis sogar die Marke von 60 Dollar überschreiten, was ihm und seiner Firma wehtut. Egal, Prost bleibt ein freundlicher Mann, er kann herrliche Geschichten erzählen. Doch eines ist auch klar: Ohne ein erkleckliches Maß an Härte wäre dieser Geschäftsmann nicht das geworden, was er heute ist. „Ohne Vorkasse geht hier kein Container raus.“ Der Cash-Flow soll ordentlich sein.

Prost ist 1957 in Altötting geboren. Der Vater Maurer, die Mutter Fabrikarbeiterin, Prost ist ein Flüchtlingskind. „Die haben geschafft bis aufs Blut, ich wollte da raus“, sagt er. Er bringt es immerhin zum Realschulabschluss, doch aus der Banklehre wird nichts – damals zählt Herkunft noch etwas in Bayern. So lernt er KFZ-Mechaniker, das ist auch ein Traumberuf. Nur: Er ölt sich nicht gerne die Finger ein.

Er spürt, dass er lieber mit den Kunden redet, statt in einer Werkstatt an ihren Autos zu schrauben. Darum wechselt er, kaum ist die Lehre vorbei, zum Politurhersteller Sonax. In den Außendienst. Verkaufen wird sein Metier, ein paar Jahre, und der kräftige Mann aus Altötting hat sich zum Verkaufsleiter hochgeschafft.

Seite 1:

Der die Welt schmiert

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%