Erste Bank
Andreas Treichl: Mr. Understatement

Andreas Treichl pflegt vor allem Eines: sein Understatement. Gemessen an seinem Ansehen und seinem Einfluss in der österreichischen Bankenwelt könnte er sich ohne öffentliche Beanstandungen wahrscheinlich in einer goldenen Kutsche durch Wien chauffieren lassen.

FRANKFURT. Stattdessen steigt der Chef der Erste Bank Group oft zur U-Bahn herab und begnügt sich mit einem 3er BMW als Dienstwagen. "Person und Position zu trennen" - diesen Leitspruch lebt er wie kaum ein anderer Großbanker in Europa. Und da passt es ins Bild, wenn Treichl in der geschäftigen Fußgängerzone in der Wiener Innenstadt häufig um eine Portion Sushi ansteht oder sich beim Starbucks einen Becher Kaffee holt, fast wie ein x-beliebiger Angestellter aus einer seiner Filialen.

Nur wenn es um die Finanzkrise geht, verzichtet er auf Understatement, wie auf der Handelsblatt-Tagung "Banken im Umbruch" wo er sich zur Verantwortung in der Krise bekennt und harsche Worte findet, für Banker und ihre Boni, die er für "völlig überzogen" hält. Der "Krieg um Talente" sei nur eine Rechtfertigung für etwas, das es in keinem anderen Wirtschaftszweig gäbe.

Auch er selber hat viel verdient. 2007 war er mit rund 4,4 Mio. Euro Topverdiener unter Österreichs Bankern. Geschuldet war dies "erfolgsabhängigen Komponenten" - Boni also. Erfolgsvergütungen, mit denen der Banker der seine Karriere bei Chase Manhattan in den USA begann "aufgewachsen" ist.

Als er 1997 die Leitung der ersten Bank übernahm, hatte das Institut 3600 Mitarbeiter und einen begrenzten Aktionsradius. Treichl expandierte massiv in Osteuropa und machte die Erste Bank zu einer der führenden zentraleuropäischen Privatkundenbanken. Einer der Höhepunkte dabei war sicherlich die Übernahme des rumänischen Marktführers Banca Comerciala Romana für 3,75 Mrd. Euro. Heute umfasst Treichls Imperium bei der Erste Group Bank - die 1819 als "Erste oesterreichische Spar-Casse" gegründet worden war - 17 Millionen Kunden und 51 000 Mitarbeiter in acht Ländern. Und sein Gehalt war bis zum vergangenen Jahr höher als das der übrigen Bankvorstände. Im vergangenen Oktober verzichtete genauso wie seine Vorstandskollegen und die der osteuropäischen Töchter auf die Sonderzahlung und verdiente "nur noch" etwas mehr als eine Million Euro Fixum.

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