Erstmals öffentlich hohe Vergütung für Grasso kritisiert
Druck auf New Yorks Börsenchef wächst

Der Chef der weltgrößten Börse, Richard Grasso, verzichtet auf Gehaltsansprüche in Höhe von 48 Mill. $, die zusätzlich zu den bereits bekannten 139,5 Mill. $ bestanden haben. Diese Entscheidung teilte der Vorsitzende des Gehaltsausschusses der New Yorker Börse (NYSE), Carl McCall, gestern Abend mit.

NEW YORK. Zuvor hatte ein Händler an NYSE erstmals öffentlich die hohe Vergütung für Grasso kritisiert. Mit einer Einmalzahlung in Höhe von 139,5 Mill. $ für den langjährigen Börsenchef habe der Vorstand die Interessen privater Anleger und der Börsenmitglieder ignoriert, schrieb James Rutledge in einem offenen Brief an die US-Börsenaufsicht SEC. „Die obersten Gremien und unser Top-Management hat eine Reihe von Entscheidungen getroffen, die eine offene Missachtung der Investoren bedeuten“, zitierte das Wall Street Journal aus seinem Brief.

Rutledge brach mit seinem Vorstoß das Schweigen fast aller NYSE-Mitglieder. Zwar machten einige Händler hinter vorgehaltener Hand ihrem Ärger über Grassos Gehalt Luft. Der Börsenchef verdiente 2002 rund 10 Mill. $, während der Gewinn der Börse nur 28,1 Mill. $ betrug. Aber weil Grasso innerhalb der als halböffentliches Institut organisierten NYSE viel Einfluss hat, hielten die Mitglieder sich mit offener Kritik bisher zurück. Das ändert sich jetzt: „Die Leute hier unten im Handelssaal haben Schwierigkeiten damit, wie viel er (Grasso) verdient, besonders vor dem Hintergrund des schwächeren Handels und der gestiegenen Kosten für neue Technik“, stimmte etwa Jim Colin, President des NYSE-Maklerhauses Kabrik Trading in die Kritik ein.

McCall nahm außerdem Stellung zu einem scharfen Brief von SEC-Chef William Donaldson; Details lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Der oberste US-Finanzmarktaufseher hatte sich „besorgt“ geäußert über die jüngste Einmalzahlung von 139,5 Mill. $, mit der Grasso über Jahrzehnte angesammelte Pensionsansprüche und Sparpläne einzog. „Das Gehaltspaket wirft ernste Fragen auf bezüglich der internen Führungsstruktur“, hatte Donaldson in einem Schreiben an McCall geschrieben. Er verlangte Einblick in die Sitzungsprotokolle und Informationen über mögliche Interessenverflechtungen zwischen den Mitgliedern des Gehaltskomitees und Grasso bzw. der NYSE.

Informierte Kreise berichten von einem kontroversen Telefongespräch zwischen Donaldson und Grasso, bei dem der NYSE-Chef dem Aufseher die Einmalzahlung erläuterte. Donaldson leitete früher selbst die NYSE und verdiente damals sehr viel weniger.

Unklar ist bislang, inwieweit die SEC in die Gehaltspolitik der NYSE eingreifen darf und will. SEC-Beamte betonen, dass sie keineswegs die Anstellungsverträge aller US-Börsenvorstände abzeichnen wollen. Allerdings könnte die SEC einzelne Mitglieder des NYSE-Gehaltskomitees zum Rücktritt auffordern, falls sie in einem Interessenkonflikt stehen. „Welche Rechte wir haben, hängt vom Ergebnis der Untersuchung ab“, sagte SEC-Führungsmitglied Cynthia Glassman dem Wall Street Journal.

In der Öffentlichkeit hatte Grassos 139,5 Mill. $ schweres Paket Empörung ausgelöst. Die New York Times zitierte ungenannte Vorstände mehrerer Wall-Street-Häuser mit dem Vorwurf, Grassos Gehalt übertreffe das Salär mancher Chefs privater Großbanken, ohne dass er als Leiter der halbstaatlichen NYSE ein vergleichbares Risiko trage.

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