Erwin Conradi ist der Schöpfer des Ritz Carlton: Szenen einer zerbrochenen Ehe

Erwin Conradi ist der Schöpfer des Ritz Carlton
Szenen einer zerbrochenen Ehe

Erwin Conradi wird 70 – der Architekt des Handelskonzerns Metro feiert ohne seinen Förderer Otto Beisheim.

DÜSSELDORF Erwin Conradi ist gescheitert. „Leider ausgebucht“, beschied ihm kurz und bündig die Berliner Edelherberge „Ritz Carlton“. Jetzt steigt der erfolgsgewohnte Handelsmanager mit seinen 200 Gästen notgedrungen im „Adlon“ ab. Für jeden anderen wäre das Fünf-Sterne-Haus am Brandenburger Tor die Topadresse schlechthin, um in der Bundeshauptstadt einen 70. Geburtstag zu feiern. Nicht so für Conradi. Zu gern hätte er am 12. Februar im Ritz getafelt – und damit seinem früheren Geschäftspartner Otto Beisheim eins ausgewischt.

Denn für den einstigen Metro-Chef Conradi ist das „Ritz Carlton“mehr als nur ein Hotel. Es ist das Herz des Beisheim-Centers, eines 300 Millionen Euro teuren Hochhauses mit Büros und Apartments in der neuen Mitte Berlins. Dessen Schöpfer ist Erwin Conradi. Dessen Eigentümer aber ist ein anderer, Otto Beisheim. Und diese beiden Herren haben sich nach 35 Jahren Berufsehe verkracht. Im September 2004 feuerte Beisheim seinen langjährigen Vertrauten Conradi fristlos, ohne Angabe von Gründen, ohne jedes Dankeschön.

Conradi selbst gibt sich heute gelassen. „Es werden Ehen nach 35 Jahren geschieden. Warum sollen also nicht auch berufliche Ehen nach 35 Jahren geschieden werden?“ sagte er dem Handelsblatt. „Mit 70 ist das schon zu verschmerzen.“

Den Bau des Beisheim-Centers hatte Conradi mit hohem, sehr persönlichem Engagement betrieben – wie ein Bauherr, sagen Beobachter. In der Edel-Herberge Ritz Carlton erinnern sich die Hotelmanager noch heute gerne an die Zusammenarbeit. Ja, bestimmend sei er schon gewesen – eben der Chef. Und genau das, sagen andere, sei das Problem gewesen. Beisheim, selbst inzwischen 81 Jahre alt, hatte es satt, dass Conradi ihm ewig die Schau stahl.

Conradi präsentierte Hotel und Apartmenthaus am Potsdamer Platz mit dem Stolz des Eigentümers. Wer Interesse zeigte, bekam sogar spontan eine persönliche Führung. Er kannte nahezu jeden Winkel, jeden Wohnungstyp, und er hatte alle technischen Einzelheiten parat. Conradi genoss es bei solchen Gelegenheiten sichtlich, wenn die Herumgeführten in der edel eingerichteten Musterwohnung sprachlos und fast schon ehrfürchtig ungeahnte Dimensionen und verschwenderische Details entdeckten.

Die Freude währte nicht lange. Wenige Wochen nach der Eröffnung des neuen Centers ließ ihn Beisheim wissen, dass sein Job als persönlicher Vermögensverwalter ab sofort beendet sei. Geschmackloserweise erfuhr Conradi das auf einer Beerdigung. Schon vier Jahre zuvor musste der Metro-Architekt den Chefsessel im Metro-Aufsichtsrat räumen. Der Vorstand um Hans-Joachim Körber hatte in einem Brief an Großaktionär Beisheim klargestellt: „Der oder wir“. Am Ende wurde ihm sein ruppiger Führungsstil zum Verhängnis.

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