Erwin Conradi
Mr. Metro meldet sich zurück

Es war ja auch zu lange still um ihn. „Man sollte gehen, bevor andere merken, dass man schlechter wird“, lautet eine Weisheit für Manager, die Erwin Conradi zugeschrieben wird. Nun meldet er sich wieder zurück. In einer Mitteilung heißt es: Conradi ist beim Münchener Medienkonzern EM.TV eingestiegen.

ZÜRICH/ DÜSSELDORF. Conradi, der einst neben Otto Beisheim mächtigste Mann beim Düsseldorfer Handelsriesen Metro, hatte zwei Jahre nichts von sich hören lassen, nachdem 2004 Multimilliardär Beisheim mitgeteilt hatte, er habe sich von seinem Majordomus getrennt. Die Meldung kam damals in neun Zeilen so nüchtern daher, dass die Vermutung nahe lag, das Gespann habe sich massiv verkracht.

Tatsächlich war Conradi eine Ewigkeit Generalbevollmächtigter Beisheims, ein Titel der nach Macht und vergangenen Zeiten klingt. Wenn er auf einen passt, dann auf Conradi. Ein Machtmensch alter Schule. Titel und Mann stammen aus einer Zeit, in der alles möglich schien, in der Arbeitskämpfe nach Gutsherrenmanier ausgetragen wurden und das Wort eines Kaufmanns trotzdem mehr galt als die Papiere von Heerscharen von Juristen.

So einer lässt berichten. Die neueste Mitteilung stammt wieder nicht von Conradi selbst, sondern von einem, der es mit ihm zu tun bekommt: Erwin Conradi ist beim Münchener Medienkonzern und Rechtevermarkter EM.TV eingestiegen. 6,4 Prozent der Anteile besitzt er, bestätigt das Unternehmen. Rund 20 Millionen Euro hat er dafür investiert, was ihm, der auf der langen Liste der Superreichen mit Domizil im Schweizer Steuerparadies Zug in der oberen Hälfte steht, nicht sonderlich schwer gefallen sein dürfte.

Conradi ist jetzt Großaktionär bei jenem Konzern, dessen Schicksal wie kein anderes für Hoffnungen und Enttäuschungen steht, mit denen an der Börse gehandelt wird. Bisher ist er bei den Münchenern noch nicht als aktiver Aktionär aufgetreten. Und welche Rolle er einnehmen wird, ist noch unklar. Aber immerhin gehört Conradi offenbar zu den Optimisten, zu denen also, die an EM-TV-Chef Werner Klatten glauben. Trotz eines Verlusts im ersten Quartal hat EM.TV seine Prognose für dieses Jahr angehoben. Klatten hat seinen Aktionären versprochen, den Umsatz um rund ein Fünftel auf 250 Millionen Euro zu steigern. Das Ebit soll sogar um 40 Prozent zulegen.

Doch der einstige Börsenliebling hat auch Sorgen. Die EM.TV-Fernsehtochter DSF muss im Werbemarkt kämpfen. Die Hoffnungen auf große Gewinne mit der Kinderfilmbibliothek („Biene Maja“) sind nicht aufgegangen. Und zuletzt musste EM.TV auch sein geplantes Sportwettengeschäft auf Eis legen. Der Börsenkurs der Aktie behauptet sich gegen den Abwärtstrend rundum nicht – daran kann auch Conradi nichts ändern.

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