Es kann nur einen geben
Kampf der großen Schweiger

Er ist einen Kopf kleiner als sein Kontrahent, dafür steht er in der Liste der Superreichen ein bisschen weiter oben: der Franzose und Wahlbrite Philippe Foriel-Destezet. Er tritt bei der Kür des Verwaltungsratspräsidenten beim notleidenden Schweizer Personaldienstleister Adecco gegen den Deutschen und in der Schweiz lebenden Klaus Jacobs an.

ZÜRICH. Die harmonieverliebten Eidgenossen finden das unerhört: nicht nur, dass Adecco damit nach John Bowmer schon wieder einen Nicht-Schweizer an der Spitze erhalten wird. Nein, es gibt auch noch Streit um diesen Posten. Und dass die beiden Konkurrenten ihn öffentlich austragen, sei man hier nicht gewohnt, sagt ein Personalberater. Auch für die beiden Widersacher beim Kampf um den Verwaltungsratsposten ist dies ungewöhnlich. Beide sprechen über ihr berufliches Wirken in der Regel lieber einen Satz zu wenig als zu viel. Öffentliche Auftritte scheuen sie. Das letzte gemeinsame Foto von ihnen stammt vom Adecco-Börsenstart in New York vor vier Jahren.

Aber dann gibt einer der beiden Schweiger, Klaus Jacobs, vor zwei Wochen der Schweizer Zeitung „Finanz und Wirtschaft“ ein Interview und sagt zum Thema Verwaltungsratsvorsitz: „Philippe Foriel-Destezet und ich stehen zur Verfügung.“

Damit ist der Kampf eröffnet zwischen den selbstbewussten, erfahrenen Unternehmern und Milliardären, die nach der Generalversammlung Ende dieses Monats gegeneinander antreten. Es geht um Macht und viel Geld. Im Februar hatte der weltgrößte Zeitarbeitskonzern bekannt gegeben, er stecke in Bilanzschwierigkeiten. Der Aktienkurs rauschte nach unten, inzwischen sollen die Probleme weitgehend behoben sein.

Jetzt will Foriel-Destezet den Konzern wieder auf Vordermann bringen. Er hat bereits großen Einfluss. Sein Patensohn, Jerome Caille, ist Chef von Adecco. Und er selbst steuert die Luxemburger Finanzholding Akila, die mit rund 18 Prozent größte Adecco-Aktionärin ist. Der 69-jährige Franzose wohnt aus steuerlichen Gründen in London. Vertraute bescheinigen dem Ritter der französischen Ehrenlegion, dessen Vermögen die britische „Sunday Times“ für das vergangene Jahr auf rund 1,8 Milliarden Euro schätzt, einen bescheidenen Lebensstil. Er lege weder Wert auf rauschende Partys noch auf einen Rolls-Royce als Zweitwagen. Er ist ein Selfmademan. Mit 28 Jahren gründet er in seiner Geburtsstadt Lyon das erste Stellenvermittlungsbüro. Zäh, mitunter verbissen habe der Chef sein Unternehmen Ecco nach vorne getrieben, erinnern sich Mitarbeiter der ersten Stunde. Er macht die französische Ecco-Gruppe zur Nummer zwei auf dem Weltmarkt. Lange sitzt er im Verwaltungsrat von Vivendi und von Carrefour. Die Zeitung „Le Monde“ zählt 47 weitere Mandate auf, die er hält.

Er muss sich nach der Adecco-Generalversammlung gegen Jacobs durchsetzen. Der ehemalige Bremer Kaufmann ist nicht ganz so still wie Foriel-Destezet. „Herr Jacobs sucht sich aus, mit wem er redet“, sagt eine Mitarbeiterin.

Erst als ihm angesichts des Finanzdebakels bei dem Personaldienstleister seine Beteiligung unter den Händen zu zerbröseln droht, meldet sich der Hanseat mit den scharfen Gesichtszügen zu Wort, einmal, aber energisch. „Bei schönem Wetter“, schreibt er Destezets Ziehkind Caille ins Stammbuch, „kann jeder segeln. Erst beim Sturm zeigt sich der wahre Kapitän.“

Seiner Jacobs-Stiftung, die direkt und indirekt rund elf Prozent an Adecco hält, dürfte bis dahin ein Verlust von 600 Millionen Euro entstanden sein. Das schmerzt auch einen Superreichen.

Dabei hat Jacobs schon allerhand Höhen und Tiefen erlebt. Er baut das Bremer Unternehmen, das seinen Namen trägt, zum weltgrößten Kaffeekonzern aus und schluckt den Schweizer Schokoladenhersteller Suchard-Tobler. Später muss er ihn wieder verkaufen, um seine drei Geschwister auszuzahlen. Seine Beteiligung am Schokoladenhersteller Callebaut kann er dagegen noch verstärken. Außerdem steigt er beim Schweizer Zeitarbeitskonzern Adia ein und fusioniert ihn schließlich mit der französischen Ecco von Foriel-Destezet.

Vor zwei Jahren zieht sich Jacobs mit 65 aus dem operativen Geschäft zurück. Seine Vermögensrechte überträgt er auf die Jacobs-Stiftung in Zürich. Nun will es der Präsident des Weltpfadfinderverbandes und Hobby-Pferdezüchter aber bei Adecco noch einmal wissen.

Doch es kann nur einen geben. In der Schweiz richten sich viele Augen auf einen Dritten: auf Jürgen Dormann, Chef des Industriegüterkonzerns ABB. Er ist kein Schweiger, wie Jacobs und Foriel-Destezet es sind. Und er hat in Zürich und Umgebung einen guten Ruf, seit er die angeschlagene ABB wieder nach oben gebracht hat.

Aber in Sachen Adecco hält er sich an die Schweigekultur des Personaldienstleisters. „Ich bin“, sagt er, „nicht in der Lage und nicht willens, über Adecco zu reden.“

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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