Essay Die bedrohte Macht der Vorstandschefs

CEOs - die starken Konzernführer nach angelsächsischem Vorbild - haben an Einfluss verloren. Von Politik und Gewerkschaften in die Zange genommen, sind aus Entscheidern in der Wirtschaftskrise Getriebene geworden. Sie brauchen ein neues Rollenverständnis.
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Mitunter wirkte es, als sei der ehemalige Porsche-Vorstandsvorsitzender Wendelin Wiedeking dabei, sich Denkmäler setzen zu lassen. Der Absturz war den Folgen der Finanzkrise geschuldet, aber auch der Selbstüberschätzung und Fehlinterpretation der Rolle des CEO. Quelle: ap

Mitunter wirkte es, als sei der ehemalige Porsche-Vorstandsvorsitzender Wendelin Wiedeking dabei, sich Denkmäler setzen zu lassen. Der Absturz war den Folgen der Finanzkrise geschuldet, aber auch der Selbstüberschätzung und Fehlinterpretation der Rolle des CEO.

(Foto: ap)

Viel ist von den Reden des Kandidaten nicht übrig geblieben, die eine Passage schon: "Früher", hat Frank-Walter Steinmeier seinem Publikum zugerufen, "früher brachten die Vorstandsvorsitzenden ihre Finanzexperten zu den Gesprächen in Berlin mit. Heute haben sie ihre Betriebsratsvorsitzenden mit dabei." Ob man darin einen Fortschritt sehen will, sei dahingestellt. Das Faktum an sich ist bemerkenswert: Es beschreibt eindrucksvoll den Machtverlust, den die Unternehmensführer im Zuge der großen Krise erlitten haben. Von Politik und Gewerkschaften in die Zange genommen, sind die Entscheider Getriebene geworden.

Das mag eine Überzeichnung sein. Faktum ist, dass sich der Staat und die Staaten mit diversen gesetzgeberischen oder regulatorischen Vorstößen auf nationaler und internationaler Ebene in die innersten Bereiche der Unternehmensführung eingemischt haben. Hinzu kommt aber, dass die CEOs selbst zu einem nicht unerheblichen Maß zu ihrer Schwächung beigetragen haben. Die Frage ist nur, welche Konsequenz sie daraus ziehen werden. Wird die Rolle des CEO nach der Krise also eine grundlegend andere sein?

Am Anfang steht wohl der Reputationsverlust. Man muss Heribert Prantl, der fleischgewordenen Political Correctness in unserem Land, nicht alles glauben. Aber die Krisenkommentare des obersten Innenpolitikers der "Süddeutschen Zeitung" belegen beispielhaft das dramatisch verschlechterte Image, mit dem Unternehmensführer in Zeiten der Finanzkrise zu kämpfen haben. Wobei manch ein Hieb gegen die "Versager in der Krise" sicherlich zu Recht saß: "Erst haben sie versagt, jetzt stehlen sie sich aus der Verantwortung. Mit solchen Ökonomen ist das Vertrauen in die Wirtschaft nicht wiederherzustellen. Eine neue Führungsgeneration muss die Führung und Verantwortung übernehmen."

Mag das alles nach der guten alten Ina Deter klingen ("Ich sprüh?s auf jede Wand, neue Männer braucht das Land"), wundersam bleibt in der Debatte, wie verschwommen das ist, worum es eigentlich geht. Was verstehen wir unter dem Chief Executive Officer (CEO) als oberstem Führer eines Unternehmens? Welches Rollenmodell ist da in die deutsche Unternehmenspraxis eingedrungen, und was sagt die eigentümliche Benennung aus?

Vielleicht hilft es, die Herkunft des Begriffs nachzuzeichnen. Der "Chief" lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Prominenz bekommt der Ausdruck im Zusammenhang mit der Eroberung des amerikanischen Westens: Bei den Indianern ist der Chief der unbestrittene Häuptling. Spannend, dass im vorigen Jahrhundert dann die Kombination von Chief und Executive auf die Rolle des amerikanischen Präsidenten verweist, wie Egbert Deekeling und Olaf Arndt in ihrem bemerkenswerten Buch "CEO-Kommunikation" zuletzt belegten. Aber wie kam der Begriff in die Unternehmen?

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