Esser nur noch als Gehilfe angeklagt
Ackermann & Co. müssen vor den Kadi

Das Landgericht Düsseldorf hat nach Informationen des Handelsblatts die Anklage wegen Untreue gegen alle sechs Beschuldigten in der Mannesmann-Affäre zugelassen. Damit müssen sich neben dem früheren Vorstandsvorsitzenden der Mannesmann AG, Klaus Esser, unter anderem der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, und der ehemalige IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel vor Gericht verantworten.

HB FRANKFURT/MAIN. Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser sieht sich in dem Verfahren um die Millionen-Abfindungen durch den 16-seitigen Eröffnungsbeschluss des Düsseldorfer Landgerichts allerdings in erheblichem Maße entlastet: Er sei nicht mehr als Täter, sondern nur noch als Gehilfe angeklagt, sagte Esser dem Handelsblatt. Neben Esser bestätigte bislang allein die Deutsche Bank offiziell, dass das Landgericht die Anklage gegen ihren Chef zugelassen habe. Ein Sprecher des Landgerichts wollte die Meldung zunächst nicht kommentieren, da zuerst die Betroffenen informiert werden sollten. Der Anwalt von Klaus Zwickel wollte zu dem Vorgang keine Erklärung abgeben. Er verwies auf das zuständige Landgericht Düsseldorf.

Das Gericht habe, anders als die Staatsanwaltschaft, bei ihm keine Pflicht erkennen können, auf die Angemessenheit der Abfindung zu achten, sagte Esser dem Handelsblatt. Eine solche Pflicht treffe nur den Aufsichtsrat, nicht den Vorstandsvorsitzenden und Empfänger der Abfindung selbst. Was die Abfindungen für variable Pensionsbestandteile betrifft, die Ex-Aufsichtsratschef Joachim Funk und eine Reihe weiterer ehemaliger Mannesmann-Manager erhalten haben, habe das Gericht bei Esser sogar überhaupt keinen Tatverdacht erkennen können. Insoweit sei die Anklage gegen ihn selbst gar nicht erst zugelassen worden, sagte Esser.

Neben Ackermann, Zwickel und Esser beschuldigt die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft den ehemaligen Mannesmann-Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Funk, den damaligen Konzenbetriebsratsvorsitzenden Jürgen Ladberg sowie den früheren Esser-Mitarbeiter Dietmar Droste. Die Anklage lautet auf Untreue in besonders schwerem Fall und Beihilfe hierzu in Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch den Mobilfunkkonzern Vodafone Anfang 2000. Alle Beschuldigten haben die gegen sie erhobenen Vorwürfe in der Vergangenheit stets zurückgewiesen.

Rückendeckung für Ackermann

Der konkrete Vorwurf gegen die sechs Beschuldigten lautet: Als Aufsichtsräte hätten sie millionenschweren Abfindungen an den ehemaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser und den ehemaligen Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk zugestimmt, obwohl sie deren Rechtswidrigkeit erkannt hätten. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft sollen sie damit dem Konzern einen Schaden von bis zu 111 Mill. DM (57 Mill. €) zugefügt haben.

Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte, Ackermann habe die volle Unterstützung von Vorstand und Aufsichtsrat. In einer internen Mitarbeiter-Mitteilung der Bank heißt es, das Management sei überzeugt, dass Ackermann sich zu jedem Zeitpunkt korrekt und sachgerecht verhalten habe und halte die Anklage für unbegründet. Ackermann werde seine persönliche Integrität und seine Entscheidungen während der Verhandlungen über die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone „mit allem Nachdruck verteidigen“. Das Institut hoffe, dass in dieser Angelegenheit, die weitreichende Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben könne, Recht und Vernunft sich durchsetzen werden.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) forderte Ackermann nach Bekanntwerden der Gerichtsentscheidung auf, sein Amt ruhen zu lassen. Eine Sprecherin der DSW erklärte dem „Tagesspiegel": „Bislang war es unsere Devise, dass in dem Moment in dem Anklage erhoben wird, der Betroffene sein Amt ruhen lassen sollte.“ Ackermann selbst hatte in der Vergangenheit stets erklärt, auch im Falle einer Anklage nicht als Chef der Deutschen Bank zurückzutreten.

Ackermann-Verteidiger halten Klage für unbegründet

Die Verteidigung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte bereits im Juli klar gemacht, dass sie die Anklage gegen den Schweizer im Fall Mannesmann für unbegründet hält und auf eine Einstellung des Verfahrens gedrängt. Dabei stützten sich die Verteidiger auf ein Gutachten des Aktienrechtspezialisten Prof. Hüffer von der Universität Bochum, der festgestellt hat, die Anklage der Staatsanwaltschaft Düsseldorf "entbehrt der notwendigen aktienrechtlichen Grundlage". Die Verteidigung argumentierte daraufhin, dass eine Maßnahme, die mit den aktienrechtlichen Bestimmungen übereinstimme, unter keinen Umständen strafbar sein könne. Nicht jede unternehmerische Entscheidung könne unter die Sanktionen des Strafrechts gestellt werden, das Strafrecht könne lediglich als "ultima ratio" bei massiven Angriffen gegen Rechtsgüter eingesetzt werden.

Mannesmann wurde Anfang 2000 nach einer Übernahmeschlacht vom britischen Mobilfunkriesen Vodafone gekauft. Mit einem Volumen von über 180 Milliarden Euro war dies bis dahin die teuerste Übernahme der Industriegeschichte gewesen. Allein der frühere Mannesmann-Vorstandschef Klaus Esser, der ebenso angeklagt ist, hatte rund 60 Millionen Mark (rund 30 Millionen Euro) als Abfindung kassiert.

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